Schläger soll auch geraubt haben

Lüdenscheid - Die 6. große Strafkammer des Landgerichts Hagen gibt sich Zeit zur umfassenden Aufklärung des brutalen Überfalls auf einen 22-jährigen Lüdenscheider. Nachdem zunächst nur zwei Verhandlungstage geplant gewesen waren, sind es mittlerweile fünf.

In der zusätzlichen Zeit soll auch ein psychiatrischer Gutachter den 32-jährigen Angeklagten untersuchen, um die Frage zu beantworten, ob dieser zum Tatzeitpunkt durch Alkohol- und/oder Drogenkonsum in seiner Einsichts- und Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt war. Der 32-Jährige, der zurzeit in Untersuchungshaft sitzt, erklärte sich mit einer solchen Untersuchung einverstanden.

Er hatte am ersten Verhandlungstag den Überfall und den damit verbundenen Raub in einer Wohnung an der Wilhelmstraße zugegeben. Ein Polizeibeamter, der am Tattag, dem 16. März, ins Klinikum Hellersen gerufen wurde, beschrieb gestern im Zeugenstand die Verletzungen und Bewusstseinseintrübungen des Opfers: „Er hatte Verletzungen, sprach sehr langsam und war sichtlich geschockt.“

Dennoch berichtete das Opfer dem Beamten nicht nur von den brutalen Schlägen, sondern auch von dem Raubzug, den der Angeklagte gemeinsam mit seinem immer noch unbekannten Mittäter in der Wohnung unternommen hatte: Im Wohnzimmer war er fündig geworden: Einem dort auf dem Tisch liegenden Portmonee entnahm er etwa 700 Euro. Trotz dieses Fundes fragte er das Hauptopfer nach weiterem Geld und unterstrich seine Forderung durch Fußtritte gegen dessen Kopf. Anschließend zwang der Angeklagte einen der Mitbewohner des 22-Jährigen, in einem Kleiderschrank nach weiterem Geld zu suchen. Statt Geld fiel den Tätern Marihuana in die Hände, das sie ebenfalls mitnahmen: 100 Gramm seien das gewesen, und er habe das Rauschgift nur mitgenommen, um es zu vernichten, behauptete der Angeklagte. Aus nachvollziehbaren Gründen bestätigte nur einer der drei Zeugen aus der Wohnung, dass die Täter tatsächlich Marihuana gefunden hatten. Es habe sich aber nur um eine kleine Menge für den Eigenkonsum gehandelt. „Sie nahmen alles mit, was wertvoll war“, erinnerte sich der Zeuge. Zudem sammelten die Täter Ausweise ein, „weil sie Angst hatten, dass wir zur Polizei gehen“. Einer der Zeugen musste seinen Mitbewohner und das schwer misshandelte Opfer fesseln. Er erinnerte sich an die bedrohliche Lage des Geschundenen: „Wir haben gemerkt, dass er Probleme beim Atmen hatte. Er atmete sehr flach.“ Dennoch hätten die Täter das Opfer weiter gegen den Kopf und den Hals getreten.

Neben anderen Zeugen soll bei der Fortsetzung des Prozesses noch einmal jener ehemalige Mitbewohner des Opfers befragt werden, der sich schon bei seiner ersten Vernehmung am klarsten an die Ereignisse erinnern konnte. Auskunft geben soll auch die Freundin des Angeklagten, die am ersten Tag wegen ihrer Drohungen gegenüber Prozessbeteiligten fast aus dem Gerichtsgebäude geworfen worden wäre. Kurznachrichten des Opfers, ihres Exfreundes, an sie, in denen der 22-Jährige sich angeblich über den Tod ihres Kindes und des Angeklagten lustig machte, sollen den Gewaltexzess ausgelöst haben.

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