Schläge statt Sex: Amtsgericht verhängt Gefängnisstrafe

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Lüdenscheid - Die weite Welt des Chattens – sie kann bisweilen höchst unschöne Folgen zeitigen. Das bekamen jetzt auch ein 31-Jähriger und sein 23-jähriger Peiniger zu spüren. Beide trafen sich jüngst vor dem Lüdenscheider Amtsgericht wieder.

Für den Täter standen dabei nach der Urteilsverkündung sechs Monate Haft zu Buche –ohne Bewährung. Er hatte seinem homosexuellen Opfer bei einer aggressiven Begegnung im September vergangenen Jahres mehrere harte Ohrfeigen verpasst. Davon war Amtsrichter Andreas Lyra nach Erörterung der Ereignisse überzeugt. Der 23-Jährige hatte zuvor die Ohrfeigen auch selbst eingeräumt – aus seiner Sicht sollten es „Erziehungsschellen“ für den Homosexuellen sein, von dem er sich bedrängt fühlte.

Die Geschehnisse von einst sind teils nur schwer zu durchschauen. Vieles blieb bei der Rekonstruktion vor Gericht verschwommen. Schließlich ergab sich aus Sicht von Andreas Lyra aber grob dieses Bild:

Der 31-jährige Homosexuelle sucht im September 2014 per Chat nach Sex mit einem anderen Mann. Dabei macht er dem 23-Jährigen Avancen. Der aber bezeichnet sich in seinem Profil ausdrücklich als heterosexuell und weist das Werben daher auch ab.

Doch der Homosexuelle gibt nicht so einfach auf, sondern startet noch einen zweiten Versuch bei dem Auserkorenen. Der schlägt daraufhin etwas überraschend ein Treffen vor. Aber nur deshalb, weil er sich belästigt fühlt und dem Mann eine Art Lektion erteilen will.

Der Homosexuelle indes glaubt wohl an ein echtes Date und taucht tatsächlich im vereinbarten Etablissement auf – ein Café mit abgedunkelten Scheiben, etwas abseits des Stadtzentrums gelegen. Als der 31-Jährige den Gastro-Betrieb betritt, erwarten ihn dort schon der 23-Jährige und seine kräftigen Freunde. Niemand von ihnen hat ernsthaft damit gerechnet, dass der Homosexuelle wirklich erscheint. Der muss erkennen: Aus dem erhofften schnellen Sex wird nichts. Stattdessen sieht er sich den Muskelmännern gegenüber. Deren Gemütsverfassung schwankt zwischen Amüsement und Wut.

Es kommt zunächst zu einem Wortgefecht. Doch dabei bleibt es nicht. Im Verlauf der Auseinandersetzung schlägt der 23-jährige dem Homosexuellen mehrfach mit der Hand heftig ins Gesicht. Der Mann erleidet Schürfwunden und ein geplatztes Äderchen im Auge. Am Ende wird er womöglich auch noch per Fußtritt aus dem Café geworfen. Geschockt vertraut er sich seinem Lebenspartner an. Zwei Tage später erstattet er Anzeige.

Die Ohrfeigen, die der Täter als „Erziehungsschellen“ bezeichnet, sind für Richter Lyra dabei vorsätzliche Körperverletzung. Die Worte des Juristen: „Dafür gab es keine Rechtfertigung. Auch wenn Sie sich belästigt fühlten.“

Dass der Täter keine Bewährung bekam, hat mit dessen Vergangenheit zu tun. Neun Vorstrafen – darunter einige wegen Köperverletzung – verunzieren seinen Lebenslauf. Ein zweieinhalbjähriger Gefängnisaufenthalt liegt noch nicht lange zurück. Gegen das Urteil ist Berufung möglich. Darauf machte Lyra ausdrücklich aufmerksam.

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