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Hinweis auf Verkaufsstelle der Reichszeugmeisterei

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Da dieses Schild als eines von zahlreichen Objekten aus der NS-Zeit in den Museen der Stadt aufbewahrt wird, ist davon auszugehen, dass es einst ein Lüdenscheider Geschäft als entsprechende Verkaufsstelle auswies.

Lüdenscheid - Ein emailliertes Schild aus Metall, wie es in früheren Jahrzehnten gebräuchlich war, um Geschäfte, Büros, Arztpraxen oder Kanzleien an Hauswänden zu kennzeichnen, findet heute Eingang in das Virtuelle Museum. Dieses Schild ist kein x-beliebiges – es ist eines der zahlreichen Objekte aus der NS-Zeit, die sich im Fundus der Museen der Stadt befinden: Es handelt sich um ein Schild der Reichszeugmeisterei der NSDAP für die Zulassung einer Verkaufsstelle für Bekleidung, Ausrüstung und Abzeichen.

Wie und woher es in das Depot der Museen gelangte, ist nicht bekannt. Da es sich aber dort befindet, liegt die Vermutung nahe, dass es aus Lüdenscheid stammt und dort in den Jahren zwischen 1933 und 1945 irgendein Gebäude kennzeichnete. Der Militarismus der Nationalsozialisten erforderte Einheitsbekleidung und Uniformen für unterschiedliche Bereiche und Altersklassen, angefangen vom Braunhemd für Parteimitglieder über Kleidung für die Hitlerjugend und den Bund deutscher Mädel bis hin zu SA- und SS-Uniformen. Hinzu kamen Ausrüstungsgegenstände unterschiedlicher Art.

Solche Dinge gehörten in den Jahren ab 1933 zum Alltag vieler Menschen, entsprechend groß dürfte der Bedarf an Geschäften gewesen sein, die diese verkauften. Es kann daher als wahrscheinlich angenommen werden, dass auch eine Stadt wie Lüdenscheid über mindestens eine solche Verkaufsstelle verfügte.

NS-Zeugmeisterei entsteht 1927 

Bereits 1925 hatte Adolf Hitler die „Richtlinien zur Neuaufstellung von NSDAP und SA“ verfasst und darin das Tragen des Braunhemdes verbindlich für deren Mitglieder vorgeschrieben, um Erkennungsproblemen bei Straßenkämpfen, die in der Weimarer Republik an der Tagesordnung waren, vorzubeugen. 1927 kamen braune Mützen und farbige Abzeichen hinzu, die schon damals ausschließlich über die „SA-Wirtschaftsstelle“ in München beschafft werden durften. Da die Anhängerschaft der NSDAP in diesen Jahren bereits stetig wuchs, beauftragte Hitler die Führung der SA mit dem Aufbau einer Zeugmeisterei in München. Diese sollte den Bedarf an Uniformen, Uniformteilen und anderen Ausrüstungsgegenständen sicherstellen. Diese Einrichtung wurde, als auch in anderen Großstädten Zeugmeistereien entstanden, Koordinierungsstelle für alle anderen und bekam daher schon in dieser Zeit die Bezeichnung „Reichszeugmeisterei“.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wuchs der Bedarf sprunghaft an. 1934 wurde durch die Verabschiedung des sogenannten Heimtückegesetzes das Linzenzvergabemonopol der Reichszeugmeisterei für Hersteller und Händler gesichert. Nur in München durften alle Beschaffungsvorhaben für Uniformen und andere Gegenstände der verschiedenen Parteiinstitutionen und verbundenen Organisationen koordiniert werden. Es wurden Normen für die Gestaltung, Herstellung und Qualität festgelegt, sogar eine verbindliche Farbtafel wurde herausgegeben.

Unternehmer, die entsprechende Waren herstellen oder verkaufen wollten, mussten Lizenzen dafür erwerben. Bereits Bereits Mitte 1934 gab es reichsweit rund 15 000 berechtigte Fabrik- und Handwerksbetriebe, 1500 Straßenhändler, 75 000 Schneidermeister und 15 000 Verkaufsstellen, sogenannte braune Läden. Letztere wurde wohl durch das vorliegende Ausstellungsstück gekennzeichnet. 

Gebäude später von US-Truppen genutzt

Kleidungsstücke und Ausrüstungsgegenstände hatten ein deutlich sichtbares Etikett mit dem „Schutzzeichen der Reichszeugmeisterei der NSDAP“ und einer individuell zugewiesenen RZM-Nummer. Diese enthielt kodierte Angaben über die Textilbranche, die Warengruppe sowie die Herstellernummer und das Produktionsjahr. Die Gegenstände wurden, bevor sie in den Verkauf kamen, erprobt – erst durch deutsche Kriegsveteranen und -versehrte aus dem Ersten Weltkrieg, während des Zweiten Weltkriegs auch durch Kriegsgefangene.

1935 begann in München der Bau eines neuen, monumentalen Hauptgebäudes der Reichszeugmeisterei – es wurde deutschlandweit das erste Gebäude in Stahlskelettbauweise. Nach Kriegsende übernahmen die US-Streitkräfte das Gebäude und demontierten die mittig über dem Hauteingang angebrachten Reichsadler mit Hakenkreuz. Bis in die 1990er-Jahre wurde der Komplex als Teil der McGraw-Kaserne genutzt. Seit dem Abzug der US-Truppen ist dort eine Außenstelle des Polizeipräsidiums München untergebracht.

Möglicherweise gibt es noch Zeitzeugen, die sich erinnern, wo in Lüdenscheid eine Verkaufsstelle der Reichszeugmeisterei untergebracht war. Zu dem konkreten Ausstellungsstück ist über seine Herkunft nichts dokumentiert. (Quelle für die Daten zur Reichszeugmeisterei: www.wikipedia.de)

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