Fragliche Folgen für die Beweisführung

Lüdenscheid - Drei Männer, einer von ihnen aus Lüdenscheid, sind wegen versuchten Mordes angeklagt. Sie sollen einen heute 32-Jährigen im Juni 2014 auf der Wehberger Straße verfolgt und auf ihn geschossen haben. Die Atmosphäre im Gerichtssaal hat sich nach den ersten Prozesstagen spürbar aufgelockert.

Der Fall

Drei Männer, einer von ihnen aus Lüdenscheid, sind wegen versuchten Mordes angeklagt. Sie sollen einen heute 32-Jährigen am Abend des 7. Juni 2014 auf der Wehberger Straße verfolgt und auf ihn geschossen haben, um ihn umzubringen. Das Opfer überlebte. Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass es sich bei der Attacke um einen geplanten Racheakt im Lüdenscheider Drogenmilieu gehandelt hat.  Der Prozess wird in der kommenden Woche Mittwoch, Donnerstag und Freitag, jeweils ab 9.30 Uhr, im Saal 201 fortgesetzt.

Nach wie vor hören die drei Angeklagten auf den Rat ihrer Verteidiger und machen von ihrem Recht auf Schweigen Gebrauch. Die Beweisaufnahme vor dem Schwurgericht gestaltet sich nach wie vor mühsam. Doch am Freitag unterhielten sich die mutmaßlichen Täter mit den Juristen – in einer Verhandlungspause – zum Beispiel lachend über den BVB und sein Champions League-Schicksal.

Was konkret zu der Entspannung zwischen den juristischen Fronten geführt hat, darüber können Prozessbeobachter nur vage spekulieren. Möglicherweise hat es hinter den Kulissen Gespräche über Erinnerungslücken, Widersprüche oder gar Lügen von Zeugen gegeben – und die Folgen für die Beweiswürdigung. Denn auch jetzt hat das Gericht es schwer, die Wahrheitsfindung voranzutreiben.

Es hat der Tag der Zeugen aus dem heimischen Drogenmilieu werden sollen. Die Vorgeschichte der blutigen Auseinandersetzung auf der Wehberger Straße soll erhellt werden. Die Hoffnung auf den großen Erkenntnisgewinn ist von vornherein nicht groß. Denn kein Zeuge ist verpflichtet, sich mit einer wahrheitsgemäßen Aussage selbst der Gefahr der Strafverfolgung auszusetzen.

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Doch auch die kleine Hoffnung auf einen Fortschritt erfüllt sich nicht. Keiner der Zeugen erscheint. Die Vorsitzende Richterin, Heike Hartmann-Garschagen, unterbricht die Hauptverhandlung und kommentiert das vergleichsweise gelassen. „Das habe ich mir schon gedacht, als ich die Akten gelesen habe.“ - von Olaf Moos

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