Schießerei am Wehberg: Zeuge verweigert Aussage

Lüdenscheid - Überraschung am Schwurgericht. Monatelang haben die Behörden nach dem Opfer der Schießerei auf der Wehberger Straße gesucht. Der heute 32-Jährige war untergetaucht. Schon im Klinikum Hellersen, wo ihm Ärzte per Not-OP das Leben retteten, war er nach LN-Informationen zu keiner brauchbaren Aussage bereit.

Von Olaf Moos

Der Fall

Drei Männer, einer von ihnen aus Lüdenscheid, sind wegen versuchten Mordes angeklagt. Sie sollen einen heute 32-Jährigen am Abend des 7. Juni 2014 auf der Wehberger Straße verfolgt und auf ihn geschossen haben, um ihn umzubringen. Das Opfer überlebte. Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass es sich bei der Attacke um einen geplanten Racheakt im Lüdenscheider Drogenmilieu gehandelt hat.  Der Prozess wird am 5. März um 9.30 Uhr im Saal 201 fortgesetzt. Ein Urteil wird für Ende April erwartet

Am Mittwoch jedoch erschien der Mann plötzlich am Hagener Landgericht und ließ sich in den Zeugenstand rufen. Aber Hoffnungen auf neue Erkenntnisse oder gar die Bestätigung entscheidender Inhalte aus der Anklageschrift erfüllen sich nicht. Der Zeuge – selbst vielfach vorbestrafter Drogenkrimineller und aktuell Ziel eines Ermittlungsverfahrens wegen räuberischer Erpressung – taucht in Begleitung des Aachener Rechtsanwalts Harry Völker auf.

Der beantragt bei der Kammer die Beiordnung als anwaltlicher Zeugenbeistand – und liefert sich mit der Schwurgerichts-Vorsitzenden Heike Hartmann-Garschagen deshalb ein kurzes heftiges Wortgefecht. Dann weist das Gericht den Antrag zurück. Der Zeuge, so die Vorsitzende, könne seine Befugnisse bei seiner Vernehmung sehr wohl selbst wahrnehmen.

Als die Vernehmung beginnt, quittieren die drei Angeklagten das mit versteinerten Gesichtern. Doch von dem Zeugen haben sie nichts zu befürchten. Schon die erste Frage der Richterin, ob er einen der Beschuldigten kennt, blockt Harry Völker ab. „Dazu machen wir keine Angaben.“

Weitere Fragen erübrigen sich. Denn der 32-Jährige Belastungszeuge macht von seinem umfassenden Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, damit er sich nicht selbst belastet – und kann gehen. Die Gesichter der Angeklagten entspannen sich sichtlich. Der Mann aus Kerpen, der mutmaßliche Pistolenschütze, ein bulliger Kerl, berüchtigt als halbprofessioneller Kickboxer und ebenfalls erheblich vorbestraft, grinst und wirft belustigte Blicke zu seinem feixenden Anhang in den Zuschauerraum.

Widersprüche, Erinnerungslücken

Der Rest des zweiten Prozesstages gestaltet sich mühsam. Denn Augenzeugen der Verfolgung und der Schießerei gibt es zwar. Zum Beispiel ein italienisches Ehepaar, das bei Freunden an der Wehberger Straße zum Grillen zu Gast war. Aber Erinnerungslücken, Verständigungsprobleme und Widersprüche erschweren die Wahrheitsfindung.

Lesen Sie auch:

Rätsel um gesuchtes Opfer

Zu Beginn "Schweigerunde"

Prozess nach Schüssen an der Wehberger Straße

Ein weiterer Zeuge, ein 54-jähriger Zeuge aus Arnsberg, tritt selbstsicher auf und berichtet von zwei Schüssen, die er gehört habe, vom Hagedornskamp aus, gegen 18.40 Uhr. Das Problem: Es gilt als sicher, dass es drei Schüsse waren und dass sie um kurz nach 21 Uhr gefallen sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare