Amtsgericht ahndet rüde Rauferei in Disko am Rathausplatz

Lüdenscheid - Die alte Faustregel lautet: Mit Landwirten und Schaustellern soll man sich besser nicht anlegen! Hätte der junge Werkzeugmechaniker (23) das gewusst und vor allem beherzigt, wäre es in einer Diskothek am Rathausplatz vielleicht nicht zum Streit gekommen.

So aber landet er am 2. Mai morgens um 3.10 Uhr arg verbeult und mit einer Platzwunde im Gesicht auf dem Pflaster des Sternplatzes. Und der 29-jährige Spross einer Hagener Schausteller-Familie bei Strafrichter Andreas Lyra auf der Anklagebank.

Der Beschuldigte bemüht sich um einen propperen Eindruck. Der große Winkelhaken in seinem karierten Hemd fällt kaum auf. Seit sieben Wochen sei er Vater, berichtet er, immer mal wieder arbeitslos, aber eigentlich in Lohn und Brot – „wie es im reisenden Gewerbe eben so läuft“, sagt der Richter.

Man kommt auf die fragliche Nacht zu sprechen. „Ich habe meinen Cousin zum Geburtstag besucht, der ist auch Schausteller.“ Und es seien auch ein paar Andere dabei gewesen. „Wir haben viel getrunken.“ In der Disko habe es dann „Diskussion“ mit einem Typen gegeben. Vor der Tür dann ein Handgemenge. „Ich war ganz wild und habe rumgeschrien.“ Und dann „einfach in die Menge gehauen“.

Der Werkzeugmechaniker weiß nicht viel. Richter: „Aber Sie konnten noch gehen?“ Zeuge: „Ich hatte genug für den Tag, aber ich kam noch klar!“ Kurz vor der Hulda sei er dann von hinten angegriffen worden. „Irgendeiner“ habe ihm geholfen. „Irgendeiner“, das ist ein Kellner (25) aus dem Laden neben der Disko, der gerade draußen raucht. Er rennt los, als er die Schläge und Tritte des Trios sieht, Türsteher rennen hinterher. Die Polizei trifft ein. Da sind zwei der Angreifer schon weg. Der Angeklagte sagt: „Ich sitze nicht hier, weil ich ein Schläger bin, sondern weil ich kein Glück hatte.“ – „Aber Sie passen ins Bild“, kontert Richter Lyra.

Im Vorstrafenregister finden sich drei Einträge: zweimal vorsätzliche, einmal gemeinschaftliche Körperverletzung. Diesmal gibt es neun Monate mit Bewährung – und 90 Sozialstunden. Neun Monate nimmt der Verurteilte „gerne“ hin, aber nicht die Sozialstunden. „Wir Schausteller arbeiten sowieso schon 365 Tage im Jahr.“

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