Scharwächter: „Ich weiß noch, wovon ich da rede“

Hermann Scharwächter.

LÜDENSCHEID ▪ Am 1. August wird Hermann Scharwächter sein neues Amt als Fachbereichsleiter für Schule, Jugend und Sport antreten – ein ungewöhnlicher Karriereschritt für einen 62-jährigen Verwaltungsangestellten.

Doch auf dem erfahrenen Jugendamtsleiter ruht die Hoffnung der Politik, dass er in den zweieinhalb Jahren bis Ende 2014 den Übergang vom Dezernat zum neuen Fachbereich so gekonnt meistert wie kein anderer. Scharwächter wurde im Hauptausschuss jetzt einstimmig zum Nachfolger von Dr. Wolfgang Schröder bestellt.

Eine Hauptaufgabe sieht Scharwächter darin, die Philosophie der Verwaltungsreform von 2010 umzusetzen, die im Rathaus flachere Hierarchien schaffen will. „Das bedeutet delegieren“, erklärte Scharwächter auf Anfrage der LN. Es gelte den Verantwortungsbereich der Fachdienste, der früheren Ämter, konkret auszuweiten, „bis hin zu der Frage, wie viel Geld ein Fachbereichsleiter selbstständig ausgeben darf“.

Sich selbst sieht Scharwächter künftig in der Funktion des Bindeglieds zwischen Stadtverwaltung und Politik. Und nach innen will er dafür sorgen, dass die personelle Qualität trotz vieler altersbedingt anstehender Wechsel erhalten bleibt: „Wir müssen auch weiterhin gute Leute für uns gewinnen.“

Für den Diplom-Sozialpädagogen, der die Jugendamtsleitung mitnimmt, bleibt der Kinderschutz ein wichtiges Anliegen. „Nach meinem Eindruck brauchen immer mehr Eltern Unterstützung dabei, ihren Kindern eine Orientierung zu geben.“ Sinkende Kinderzahlen bedeuteten auch in Lüdenscheid keineswegs weniger Fälle, wenn es um Vernachlässigung, Verwahrlosung oder Misshandlung und Missbrauch geht.

Zu seinem angestammten Bereich zählt Scharwächter die Rolle als Verbindungsmann und Ansprechpartner für freie Träger der Jugendhilfe wie Gemeinden oder Verbände. Hier sieht er auch wenig Unterschiede zu Schulleitungen, darunter auch VHS und Musikschule, oder zu den Sportvereinen, mit denen er es jetzt häufiger als bisher zu tun bekommt. „Es geht mir immer darum, hier Augenhöhe zu signalisieren. Ich war noch nie einer, der vom grünen Tisch aus entschieden hat, und mache mir am liebsten vor Ort ein Bild.“ In der Haushaltssicherung dürfte indes auch manche Grenze zu setzen sein.

Die Sichtweise freier Träger kennt Scharwächter aus eigener Anschauung. War er doch Mitbegründer des Kinderschutzbundes Lüdenscheid, dem er 25 Jahre vorstand und dessen Ehrenvorsitzender er heute ist. Als Kinderschützer war er auch NRW-Landesvize.

Dank seines 13-jährigen Sohnes und kleiner Enkelkinder, mit denen ihn seine erwachsene Tochter zum dreifachen Opa machte, ist Scharwächter auch mit aktuellen Alltagssorgen und Problemen von Eltern bestens vertraut, ob in Kita, Schule oder zuhause. „Ich weiß noch, wovon ich da rede“, schmunzelt er.

Mittendrin in einer Entwicklung sieht sich Scharwächter indes auch beruflich: „Es geht für mich auch darum, den Weg weiterzugehen, den ich mit Dr. Schröder in den letzten Jahren gegangen bin.“ Nach holprigem Beginn sei das Verhältnis zu seinem Chef, dem langjährigen Sozialdezernenten, sehr bald von großer Wertschätzung geprägt gewesen. „Wir haben gute Erfolge erzielt, weil Dr. Schröder sachorientiert und nicht parteipolitisch denkt.“

Anders als der scheidende CDU-Beigeordnete ist Scharwächter parteilos. Das betrachtet er nicht als Nachteil, nicht nur, weil er als Fachbereichsleiter nun nicht mehr vom Stadtrat gewählt werden muss: „In der kommunalpolitischen Arbeit, das ist meine Erfahrung, kommt es ohnehin nur auf die Sache an.“

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