Scharfe Kritik am Wechsel der Gedenkstätte

Burkhard Siebert

LÜDENSCHEID ▪ Der angekündigte jährliche Standortwechsel für die zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag stößt bei Burghard Siebert auf Unverständnis.

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Soldaten- und Kriegsopferverbände und ehemalige Vorsitzende des Reservistenvereins kann nicht nachvollziehen, warum mit der Tradition gebrochen werden soll, am Ehrenmal an der Parkstraße der Opfer von Krieg und Gewalt zu gedenken: „Da haben wir einen solchen Platz und jetzt wird eine Wischiwaschi-Lösung umgesetzt. So geht man mit einer Tradition nicht um“, kritisiert Siebert, dass die Veranstaltung künftig auch auf dem neuen evangelischen Friedhof an der Dammstraße stattfinden soll.

Noch vor gut einem Jahr hätten sowohl Bürgermeister Dieter Dzewas als auch Dr. Wolfgang Schröder als Ortsverbandsvorsitzender des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge in einem Brief an die Friedensgruppe betont, das Ehrenmal solle die zentrale Stätte für das Gedenken bleiben. Jetzt sei Schröder doch vor der Friedensgruppe eingeknickt. Die Gruppe um Matthias Wagner hatte kritisiert, dass das Ehrenmal mit der Skulptur des „Erwachenden“ mit der NS-Zeit belastet sei.

Burkhard Siebert bezeichnet dies als eine „Geschichtslüge“ einer kleinen Gruppe von „Wirrköpfen“, die die Gedenkstätte am liebsten ganz kippen würde. Das Denkmal sei nicht 1935 von den Nazis eingeweiht worden, wie es die Friedensgruppe immer wieder überliefere. Bereits 1929 sei das Denkmal ohne den „Erwachenden“ eingeweiht worden. Mit der Fertigstellung der Skulptur hätten die Nazis 1935 die Gelegenheit gesehen, eine zweite Einweihungsfeier ganz nach ihrem Gusto zu veranstalten.

„Ich bin in einem pazifistischen Elternhaus groß geworden. Mein Vater wurden von den Nazis eingesperrt, weil der in der SPD war. Ich bin selbst seit 40 Jahren in der SPD und nun wirklich kein Betonkopf“, betont Siebert. Aber er habe inzwischen das Gefühl, die Gedenkstätte sei den Verantwortlichen einfach nicht mehr so wichtig. Das zeige auch das äußere Erscheinungsbild. In einem Brief an Dr. Schröder habe er jedenfalls mitgeteilt, dass die Arbeitsgemeinschaft unter diesen Voraussetzungen nicht an der nächsten Gedenkfeier zum Volkstrauertag teilnehmen werde.

Dr. Schröder war urlaubsbedingt nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Wolfgang Veese vom Volksbund – der Verband veranstaltet die Gedenkfeier – hofft, noch alle Gruppen unter einen Hut zu bekommen. „Es sollte ein klärendes Gespräch geben. Es geht doch letztlich um eine würdige Gedenkfeier.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare