P&C-Schandfleck: Eindruck des Stillstands täuscht

Lüdenscheid Peek Terragon Sternplatz Seniorenresidenz
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Im Mai 2017 teilte der P & C-Konzern nach jahrelangem Stillstand mit, die Immobilie am Sternplatz verkaufen zu wollen. Nun deutet vieles darauf hin, dass der Schandfleck im nächsten Jahr verschwindet und an seiner Stelle die Terragon-Seniorenresidenz entsteht.

Seit Oktober 2019 laufen Gespräche zwischen Vertretern der Stadt und der Berliner Terragon AG. Vor fünf Monaten winkte der Rat das 40-Millionen-Euro-Projekt Seniorenresidenz Sternplatz einstimmig durch. Doch die Passanten in 1a-Lage der Innenstadt schauen immer noch auf den Schandfleck der P & C-Brache.

Lüdenscheid – Nach der Asbestbeseitigung im ehemaligen SinnLeffers-Bau im Sommer 2013 hat sich nichts an dem Missstand verändert. Doch hinter den Kulissen, erklärt der oberste Stadtplaner Martin Bärwolf, werde mit Hochdruck gearbeitet.

Die Beteiligten sind sich demnach einig. „Terragon will das auf jeden Fall machen, und wir wollen das auch“, so Bärwolf im LN-Gespräch. Das große Ganze steht also fest, der Teufel steckt wie immer im Detail. Klar ist für den Fachbereichsleiter schon jetzt: „Für die Bürger und Händler wird das eine große Belastung.“

Bevor die ersten Bagger anrücken, ist noch viel Schreibtischarbeit gefordert. Nach fünf großen Videokonferenzen, zig Telefonaten und noch mehr E-Mails sind die wesentlichen Punkte für den Abschluss eines städtebaulichen Vertrages laut Bärwolf geklärt.

„Wir haben gelernt aus der P&C-Geschichte“

Darin werden unter anderem die Rechte und Pflichten des Bauherren festgeschrieben. „Wir haben gelernt aus der P & C-Geschichte.“ Die Bauvoranfrage als Basis für Bauantrag und -genehmigung ist nach Worten des Planungschefs im Rathaus „in Vorbereitung“. Eines der Hauptprobleme wird die verkehrliche Erschließung des Neubaus sein.

Bärwolf: „Bei SinnLeffers war das vergleichsweise einfach. Die Lieferanten kamen vom Sauerfeld auf den Hinterhof neben der Volksbank, luden ab und fuhren weg.“ Doch für die Seniorenresidenz erwarten die Fachleute viel mehr Dienstleister, die an- und abfahren. Wenn betagte Menschen in 125 Wohnungen bei wachsendem Online-Handel Waren bestellen oder sich Essen bringen lassen, wird’s kompliziert für die Verkehrsplaner.

Die Erreichbarkeit des Neubaus muss laut Martin Bärwolf über das Sauerfeld gewährleistet sein. Dort liegt die größte Bushaltestelle der Region mit täglich rund 25 000 Fahrgästen. Die meisten von ihnen kommen und gehen über die obere Altenaer Straße, also zwischen künftiger Residenz und dem Medivital-Center am Sternplatz 1.

Eine Lösung muss auch im Sinne der Volksbank gefunden werden, deren Hauptstelle in unmittelbarer Nachbarschaft zur künftigen Großbaustelle liegt. Ein Teil der Haltepunkte für Linienbusse müsse sicher verlegt werden. Das stellt für die Verantwortlichen „das kleinere Übel“ dar. Bärwolf: „Alles ist besser als der aktuelle Zustand.“

Zeitgleich mehrere Baustellen

Eine weitere Hürde wird die Koordination mehrerer Baustellen sein. Wenn Terragon beginnt, die P & C-Brache bis in die Wilhelmstraße hinein abzureißen, muss die Stadt zeitgleich mit dem geplanten Umbau der Fußgängerzone beginnen. Bärwolf: „Wir müssen die Baumaßnahmen miteinander verzahnen.“

Vor dem Hintergrund der Förderrichtlinien sei es „kaum noch möglich“, Zeitpläne zu verschieben. „Fangen wir nicht pünktlich an, sind die Zuschüsse weg.“ Der Planungschef spricht von einer „enormen logistischen Herausforderung.“

Terragon will das auf jeden Fall machen, und wir wollen das auch.

Stadtplaner Martin Bärwolf

Die lasse sich nur bewältigen, „wenn wir jeden Schritt in sehr sehr engen Gesprächen abstimmen und den Investoren ein gutes Arbeitsklima und Verlässlichkeit bieten“. Inzwischen stehe auch Bürgermeister Sebastian Wagemeyer selbst mit den Investoren in Kontakt.

Noch ist der Kauf der Immobilie vom Modekonzern Peek & Cloppenburg – im Gespräch ist ein Preis von rund 4 Millionen Euro – nicht über die Bühne. Bärwolf: „Die Vertragsparteien scheinen sich auf einander zu zu bewegen.“ Und noch ist der Plan aktuell, im zweiten Quartal 2021 mit dem Abriss zu beginnen. Der Fachbereichsleiter gibt sich zuversichtlich.

„In Gesprächen mit Händlern aus der Innenstadt höre ich immer wieder, wie überaus wichtig ihnen das Projekt der Terragon ist.“ Die Grundstimmung sei sehr positiv. „Die Geschäftsleute sagen, das wird uns allen helfen – eine Super-Sache.“

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