"Schalke 04 zu 3": Toller Auftakt der Kleinkunsttage

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So geht geistreiches Kabarett: Im ausverkauften Foyer des Kulturhauses lieferte René Steinberg mit seinem Programm „Wer lacht, zeigt Zähne“ einen starken Auftritt ab.

LÜDENSCHEID - Stand-up, Sketche, Stimmparodien – René Steinberg lieferte zum Auftakt der 34. Lüdenscheider Kleinkunsttage mit „Wer lacht, zeigt Zähne“ seine humoristische Visitenkarte ab und zeigte im ausverkauften Foyer wie geistreiches Kabarett geht.

Es wurde ein abwechslungsreicher, frecher und komischer Abend über die Widrigkeiten des Lebens ohne Gejammer. Ja, auch er „hatte Bein“, lag damit im Krankenhaus, musste sich mit Zimmernachbarn und geschmacklich entwicklungsfähigem Essen auseinandersetzen und der „reinen, unverfälschten Poesie über Möhrengemüse“ nörgelnder Zimmerkollegen lauschen.

René Steinberg

Gelungener Einstieg ins Programm nach einer Aufwärmphase mit Carmen Thomas‘ Radiobeitrag zu „Schalke 05“, die männliche Kollege mit Infos zu „Schalke 07“ oder „ Schalke 04 zu 3“ zu toppen verstanden. Kurioses aus Mc-Donalds Currywurst-Küche, die Rettung aus Starbucks überteuerter Kaffee-plus-Auswahl mit einem Zettel: „Bin taubstumm und möchte einfachen Kaffee“, ein Lied gegen das Gejammer.

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Lösungen im Umgang mit politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Kuriositäten gab es an diesem turbulenten Abend zahlreiche. Ein Steinberg, der zudem mit der umfunktionierten Sprache der Dichter und Denker spielte. Goethes „größten Jammerlappen“ Faust ließ er sagen „Hab nun, uih, studiert“, denn: „Mensch, ist doch toll, wenn einer ohne Bachelor studieren kann“, Götz von Berlichingens „Leck mich am A...“ oder Werthers „Ich bring mich um“-Haltungen beweisen die Notwendigkeit von Standortwechseln. Köstliche Mimik, philosophische Analysen: „130 Synonyme für den Geschlechtsakt, ist den Deutschen also wichtig, Geld hat 150 Synonyme, noch wichtiger“, grübelte er.

Ganz viel Applaus für Beiträge zur Regierung mit ihrem Hang zur Realsatire, daneben Perlen aus politischer „Verarsch-Rhetorik“ über ein Wahlergebnis mit „knapper, negativer Mehrheit“. Zu einem Höhepunkt entwickelte sich seine Tanzeinlage mit Parodien auf die politischen Klientelen.

Das bestens unterhaltene Publikum sparte nicht mit Applaus. Was Steinberg hier als erste von insgesamt fünf Kleinkunstdarbietungen ablieferte, war ein durchdachtes, hervorragend umgesetztes, rundes Programm. Eine lohnenswerte Auftaktveranstaltung im Kampf um die von der Sparkasse mit 1500 Euro dotierte Lüsterklemme. Am 20. Februar geht es ab 19.30 Uhr im Kulturhaus mit Mia Pittroff weiter. - Yasmin Alijah

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