Schädelfund: Ermittlungen dauern an

LÜDENSCHEID - Seit einem Monat suchen Polizei und Gerichtsmediziner nach Spuren im Fall des rätselhaften Schädel-Fundes.

Kinder hatten die Überreste eines Menschen im Wald zwischen der Neuenhofer Straße und Am Schäferland entdeckt. Inzwischen liegt den Ermittlern das Zahnschema vor, einen passenden DNA-Befund gibt es jedoch nicht. Möglicherweise reiht sich die Sache in eine Liste ungeklärter Vermisstenfälle ein.

Nach Aussage von Polizeisprecher Dietmar Boronowski verschwinden bundesweit 8000 Menschen pro Jahr spurlos von der Bildfläche. Zunächst aber gleicht die heimische Behörde ihre aktuellen Erkenntnisse im Fall des Schädelfundes mit Ermittlern benachbarter Behörden ab. Derzeit geht die Polizei laut Boronowski anhand des Zahnschemas davon aus, dass die Überreste aus dem Neuenhofer Wald nicht zu einem Menschen aus Lüdenscheid gehören.

Im vergangenen Jahr hat die Polizei in Lüdenscheid 144 Vermisstenanzeigen bearbeitet. Die Tendenz scheint zu steigen. Vom 1. Januar bis heute sind es in der Kreisstadt schon 145. Kreisweit ist der entgegengesetzte Trend zu verzeichnen. Laut Dietmar Boronwski galten 2012 noch 627 Menschen als vorübergehend vermisst. Von Neujahr 2013 bis heute lagen 521 Vermisstenanzeigen im Kreis vor.

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Die vergleichsweise hohe Zahl von Vermisstenfällen in Lüdenscheid ist aber allenfalls ein statistisches Phänomen. Darunter ist auch eine lange Reihe von Fällen, die im Rückblick als harmlos eingestuft werden können – etwa, wenn jugendliche Heimbewohner an einem schönen Fußballabend ihre Ausgangszeiten überziehen und die Heimleitung sie vorsorglich der Polizei meldet. Krankenhäuser melden übrigens nach LN-Informationen auch Patienten bei der Polizei als vermisst, die sich selbst einen kurzen Heimurlaub vom stationären Aufenthalt „verordnet“ haben – eine eher versicherungsrechtliche Variante.

Nach wie vor aber stehen auch einige Langzeitvermisste auf den Listen der Fahnder. Seit dem 25. Mai 2004 zum Beispiel wird ein Mann aus Iserlohn gesucht. In Altena verschwand eine Frau am 3. Mai 2007 spurlos. Und auch im Fall eines behinderten Heimbewohners aus Lüdenscheid, der am 31. Juli 2004 zum letzten Mal gesehen wurde, tappen die Behörden offenbar im Dunkeln.

Gesucht wird außerdem ein Patient des Klinikums, der nach Worten Boronowskis in der vergangenen Woche Donnerstag „einfach so“ verschwunden ist.

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