Sauerfeld: Kinderschutz vor Barrierefreiheit

ein Rad-Abweiser für Rollstühle: Was der Behinderten-Beauftragte wiederholt als Versäumnis am Sauerfeld kritisierte, ist für die Stadt eine Schutzmaßnahme für Kinder.

LÜDENSCHEID - Mehr Sicherheit für Rollstuhlfahrer oder Unfallschutz für kleine Kinder?

Vor diese Entscheidung sah sich Hans-Jürgen Badziura als Projektleiter der Großbaumaßnahme am Sauerfeld gestellt, als es darum ging, ob das Geländer am abschüssigen Fußweg vorm Brighouse-Park unten ein Blech als Rad-Abweiser für Rollstuhlfahrer erhalten sollte. Badziura fand sich zudem zwischen einander widersprechenden Vorschriften wieder: dem Gebot der Barrierefreiheit und dem Verbot, Gefahrenstellen zu schaffen. Die Planer im Rathaus entschieden sich für die Sicherheit der Kinder: Es gibt heute keine Rad-Abweiser, weil sie zusammen mit den beiden Handläufen eine Treppe bilden würden. Die aber würde Kinder zum Übersteigen der Geländer zur viel befahrenen Sauerfelder Straße hin förmlich einladen.

Dagegen war laut Badziura eine andere Gefahr abzuwägen, die der Behinderten-Beauftragte Klaus-Martin Pandikow am Donnerstag vor der Interessenvertretung für Menschen mit Behinderungen erneut deutlich gemacht hatte: Ohne Abweiser können Rollstuhlfahrer mit den Händen unter den Handlauf geraten und sich schmerzhaft einklemmen (LN berichteten).

Dass dieses Risiko besteht, räumt Badziura ein. Doch ein mögliches Überklettern der Geländer durch Kleinkinder widerspräche allen Vorgaben der Landesbauordnung. Badziura erinnerte hier daran, dass im Brighouse-Park, ebenfalls aus Gründen des Kinderschutzes, das Heranziehen des Spielplatzes an die belebten Haltestellen am Sauerfeld vorgesehen ist.

Rad-Abweiser sollten zudem vor allem Stürze von der Rampe verhindern – dieser Schutz sei durch die Geländer gegeben, außerdem könne der Fahrstuhl genutzt werden. Weitere Kritikpunkte Pandikows wie fehlende Kontrast-Streifen an Treppenstufen würden mit Fortschreiten der Baumaßnahme beseitigt.

Pandikows Kritik hat im Rathaus indes auch neue Überlegungen forciert. So fordert er, dem Behinderten-Beauftragten Einsicht in jede Ausschreibung zu gewähren, um sie auf Maßnahmen zur Barrierefreiheit hin zu untersuchen. Badziura machte dazu den Vorschlag, statt der vor Fachchinesisch strotzenden Ausschreibung die Ausführungspläne zu nehmen.

Frank Kuschmirtz von der Zentralen Gebäudewirtschaft hat Pandikow gestern zudem eingeladen, sich die Pläne der Staberg-Pausenhalle anzusehen. Dass dies bisher nicht geschah, hatte der Behinderten-Beauftragte ebenfalls bemängelt. Kuschmirtz empfand die scharfe Kritik an der Stadt aber als zu pauschal: „Herr Pandikow hat für Menschen mit Behinderungen viel erreicht –  auch, weil wir konstruktiv und vertrauensvoll zusammengearbeitet haben.“

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