Physikalische Gesetze haben in der Filmindustrie nur wenig Platz

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Sascha Vogel zeigte amüsant auf, wie wenig die Filmindustrie von physikalischen Gesetzen hält.

Lüdenscheid - „Wenn man davon ausgeht, dass Spiderman die Fäden zum Schwingen aus sich selbst heraus produziert, würde er bei jedem Schwung drei Kilo abnehmen. Das ist besser als Weight Watchers“, konstatierte der Physiker Sascha Vogel. Im Bühnensaal des Kulturhauses stellte Vogel vor, an welchen Stellen in Hollywood ein bisschen geschummelt und wo völlig irreal übertrieben wird.

„Physik in Hollywood“ hat Vogel sein Programm getauft. Er selbst sei theoretischer Physiker, ließ er sein Publikum zu Beginn wissen, eingerahmt auf der Bühne von Dr. Dr. Sheldon Cooper als Pappkamerad aus der „Big Bang Theorie“, hochbegabt, sarkastisch und ordnungsfanatisch, auf der einen und Darth Vader auf der anderen Seite.

Zwischen beiden ließ er das erschrockene Volk zunächst teilhaben an der gebrochenen Translationsinvarianz physikalischer Theorien, um nahezu nahtlos eine Brücke zu schlagen zu Captain Hector Barbossas Affen Jack, der via Kanone im freien Flug von der „Black Pearl“ zur „Flying Dutchman“ gedonnert wird (Fluch der Karibik 2).

Mit einem marginalen Zahlenwerk machte Vogel höchst amüsant klar, dass Äffchen Jack für diese Leistung 300 km/h schnell hätte sein müssen, auch unter dem Gesichtspunkt, dass es ja nun ein Untoten-Äffchen sei – völlig unmöglich und nur Hollywood-Action.

Wenig war vor der Demontage des Frankfurters sicher. Ice Age 2 zum Beispiel – keine Chance für das Opossum, beim Aufprall einen bleibenden Abdruck am Baum zu hinterlassen: „Keinen Kratzer hätte Crash dem Baum zugefügt.“

Auf die Fahne geschrieben hat sich der Theoretiker, mal nachzurechnen, was eigentlich geht und was nicht. Und als man den „Hat der nichts anderes zu tun im Leben?“-Moment hinter sich gelassen hatte, konnte man sich gut zurücklehnen und sich bei dem Auftritt des Physikers vorstellen, wie eine Runde seinesgleichen, den Kopf voll Formeln und Fakten, sich selbigen darüber zerbricht, dass der Nuklearphysiker Dr. Bruce Banner (Hulk) 22 Millionen Big Macs vertilgen müsste, um einmal zu Hulk zu werden – „Jetzt wird auch klar, warum der grün ist“.

Und auch den Mythos, dass eine Zigarette Benzin entfacht, entkräftete Vogel, wollte den Beweis live antreten, aber das hätte Kulturhausleiter Stefan Weippert ihm verboten: „Aber nicht nachmachen! Nicht, dass das in dem Moment dann doch klappt.“ Der Flugbahn der Kugeln nach zu urteilen wäre James Bond in Sekundenbruchteilen tot, wenn 20 Russen auf ihn schießen und ein Lichtschwert? „Licht interessiert sich nicht für Licht!“ Lichtschwerter zu kreuzen – Blödsinn.

Gut anderthalb Stunden lang deckte Vogel zur Freude des Publikums auf, dass die physikalischen Gesetze zwischen dem A-Team, Bruce Willis und Kostners „Bodyguard“ nur wenig Platz haben, wanderte auf der Bühne hin und her, ließ Filmsequenzen ablaufen und übersetzte physikalische Einheiten zum besseren Verständnis auch gern in „Einheiten“ wie Burger. Um für einen Science Slam ein Programm von wenigen Minuten Wissenschaft auf witzige Weise verständlich zu machen, entstand seinerzeit die Idee zu „Physik in Hollywood“. Seitdem baute der Kernphysiker sein Programm zur Abend füllenden Show aus.

Platz 1 seiner Hitliste der schlechtesten Spielfilme sei übrigens nach „Armageddon“ und „James Bond“ der Spielfilm „The Core“, eine amerikanische SciFi-Geschichte rings um den Stillstand der Erde. Nachdem das Spielfilmteam jenen Stillstand mit einem atomaren Schubs („Die steigen dabei sogar aus!“) wieder ins Lot gebracht hat, dreht sich der blaue Planet im Abspann wieder. „Haben Sie’s gesehen? Ich zeig’s nochmal!“ Und wer genau hinschaute, hat es gesehen: Sie drehte sich in die falsche Richtung. - Jutta Rudewig

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