Gewahrsam der Polizei seit Monaten eine Baustelle

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Unter der Decke baumeln Kabel.

Lüdenscheid - Normalerweise finden sich etwa Einbrecher und betrunkene Randalierer vorübergehend in einer Gewahrsamszelle der Polizeiwache an der Bahnhofstraße wieder. Doch nicht so im Moment. Denn die Räume werden seit Frühjahr 2015 saniert. Für die Beamten ist das in vielerlei Hinsicht eine Belastung.

Der Gewahrsamstrakt – bestehend aus vier Zellen, einem Sanitärraum, einem Flur und einem Zugang vom Parkplatz – ist aufgrund einer Landesverordnung auf Vordermann zu bringen.

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB), Eigentümer vieler Immobilien des Landes, ist Verwalter des Wachengebäudes und hatte die Bauarbeiten im Mai 2015 pflichtgemäß öffentlich ausgeschrieben und schließlich ein Unternehmen beauftragt.

Probleme mit Fliesen und Elektrik

Die Sanierungsarbeiten in den Gewahrsamszellen der Polizei an der Bahnhofstraße dauern seit Monaten an.

Doch noch heute, fast ein Jahr später, sind die Wände bloß teilweise gefliest, auf dem Boden fehlt der Belag und unter der Decke baumeln Elektrokabel. Nach LN-Informationen gab es Schwierigkeiten mit der ausführenden Firma. Wie Polizeisprecher Dietmar Boronowski lediglich verrät, traten „Probleme mit den Fliesen und der Elektrik“ auf. Er sagt – und spricht auch für Landrat Tomas Gemke: „Wir sind enttäuscht davon, wie das abläuft, aber wir sind jetzt in der Endphase und hoffen, bald abschließen zu können – im wahrsten Sinne des Wortes.“

Belastender Baulärm auf der Wache

Dennoch: Die Polizeibeamten müssen seit Monaten ständig belastenden Baulärm ertragen, wie Michael Kaufhold, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Märkischen Kreis, im LN-Gespräch sagt.

„Da bebt manchmal das ganze Haus. Zum Beispiel Vernehmungen sind dann so gut wie unmöglich.“ Das Verhalten des Gebäude-Eigentümers sei unbefriedigend.

Täter müssen ins Gewahrsam nach Hagen oder Iserlohn

Und die Probleme sind weitreichender: „Dadurch, dass die Zellen nicht nutzbar sind, müssen die Kollegen Täter nach Hagen oder Iserlohn ins Gewahrsam bringen. Und davon sind auch Polizisten aus anderen Städten im Südkreis betroffen, die ‘ihre’ Täter normalerweise in Lüdenscheid festhalten“, so Kaufhold.

„Das kostet Zeit und Geld.“ Statistisch gesehen brauche man täglich die Arbeitszeit eines Beamten allein für diese Fahrten, rechnet Kaufhold vor. „In den kleinen Kommunen wird dann die einzige Streife auf den Weg geschickt. Die Stadt ist so lange ohne Schutz.“

Festgenommene randalieren im Streifenwagen

Unterwegs randaliere so mancher Festgenommene, ticke – vor allem unter Drogen- oder Alkoholeinfluss – regelrecht aus und spucke um sich. Kaufhold: „Der Beamte, der auf der Rückbank links daneben sitzt, muss das ertragen. Und auf der Autobahn kann der Fahrer des Streifenwagens ja nicht einfach anhalten und ihn unterstützen.“

Kleine Anfrage der CDU

Eingemischt hat sich inzwischen der CDU-Landtagsabgeordnete Thorsten Schick, indem er eine kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt hat. „Wie konnte es zur Verzögerung der Arbeit am Polizeigewahrsam in Lüdenscheid kommen?“, fragt Schick. 

Außerdem verlangt er Informationen dazu, wann der Gewahrsam fertig gestellt wird und welche Auswirkungen die längeren Fahrten nach Hagen und Iserlohn momentan auf die Sicherheitslage im Märkischen Kreis haben.

Bau- und Liegenschaftsbetrieb äußert sich noch nicht

Die Antwort der Landesregierung steht noch aus, bestätigte Marco Voge, Pressesprecher der CDU im Märkischen Kreis, auf LN-Anfrage.

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW verwies auf diese Anfrage. Bevor diese nicht offiziell beantwortet ist, könne man nicht Stellung nehmen, hieß es.

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