Grabenstraße

Salon Gaby aus Lüdenscheid - Psychologinnen mit Föhn und Schere

Von den 35 Jahren an der Grabenstraße in Lüdenscheid stehen Gabi Wiesner (links) und Gina Fiorentino (rechts) ihrer Chefin Gaby Boese seit mindestens zehn Jahren zur Seite.
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Von den 35 Jahren an der Grabenstraße stehen Gabi Wiesner (links) und Gina Fiorentino (rechts) ihrer Chefin Gaby Boese seit mindestens zehn Jahren zur Seite.

Als die frisch gebackene Friseurmeisterin Gaby Boese ihren Salon am 1. Oktober 1986 eröffnet, sieht die Lüdenscheider Innenstadt noch anders aus. Das Stern-Center ist noch nicht das prägende Gebäude an der Wilhelmstraße, das Rathaus präsentiert seinen 50er-Jahre Schick noch energetisch-unverhüllt.

Lüdenscheid – Von Platz eins der deutschen Charts grüßt die Band Frankie Goes to Hollywood – und die junge Frau macht sich selbstständig.

Mit 22 Jahren besteht die Lüdenscheiderin ihre Meisterprüfung und weiß noch nicht so recht, wie es jetzt weitergehen soll. Da kommt ihr der Zufall zu Hilfe. Über Umwege habe sie erfahren, dass der Vormieter – ebenfalls Friseur – kurz zuvor pleite gegangen sei. Gleich beim ersten Besuch unterschreibt Boese den Mietvertrag und ist plötzlich Inhaberin. „Ich musste keine Odyssee machen, wie es heute meist üblich ist.“

Der Salon ist alt – alte Ausstattung, alte Einrichtung. Bevor die ersten Haare geschnitten werden können, muss investiert werden. Geld hat die 22-Jährige nicht auf der hohen Kante, doch bei den Umbauten – irgendwas zwischen Renovierung und Sanierung – kann sie sich auf ihren Vater verlassen.

Der Maurer und Polier übernimmt den Großteil der Arbeiten. Ein Elektriker sei nur gekommen, um die Kabel und Anschlüsse zu überprüfen, erinnert sich Boese. Nur fünf Wochen später ist alles fertig.

Dass Friseurin für die heute 58-Jährige der Traumjob ist, zeigt sich früh. „Ich habe schon als kleines Mädchen meinen Puppen die Haare geschnitten und sie frisiert.“ Ähnlich konsequent ist auch der Umgang zwischen Kunden und Friseurinnen im Salon Gaby. „Das ist meistens ein sehr freundschaftliches Verhältnis“, erzählt Boese und macht deutlich, dass es um mehr gehe, als nur Haare zu schneiden. „Wir sind ja fast schon Psychologen. Allein das Gespräch hilft vielen, sich besser zu fühlen.“

Gaby Boese mit Autogramm der Schauspielerin Katerina Jacob, bekannt aus „Der Bulle von Tölz“. Während eines Engagements in Lüdenscheid ließ sich die Schauspielerin von der Friseurmeisterin die Haare machen.

Zur Stammkundschaft zählt auch die 77-jährige Brunhilde Reinhardt: „Ich glaube, ich komme seit 20 Jahren aus Schalksmühle hierher.“ Auch andere Kundinnen seien seit einer gefühlten Ewigkeit dabei. Manche können nur noch schwer oder gar nicht mehr in den Salon kommen, also fährt Boese zu ihnen. „Ich habe die Damen schon bedient, da war ich noch ein junges Mädel und die Kundinnen waren junge Frauen. Sie haben uns die Treue gehalten, jetzt halten wir ihnen die Treue.“

Auch Irina Dumschat nimmt seit zwei Jahren die Strecke von Altena nach Lüdenscheid auf sich, der aktuell über Werdohl führt. „Ich bin extra 45 Minuten hierher gefahren – nur für mein Gina“, lacht die 40-Jährige.

Gina Fiorentino ist seit zehn Jahren Teil des Teams, zu dem auch Gabi Wiesner gehört. Die drei Frauen schmeißen den Laden gemeinsam, und so soll es auch bleiben – bis der Tag kommt, an dem Boese sich aus dem Berufsleben zurückzieht. Wann das sein wird, weiß die mittlerweile in Oberbrügge heimische gewordene Lüdenscheiderin nicht.

„Das entscheide ich spontan!“ Dass Fiorentino dann den Salon übernimmt, ist aber beschlossene Sache. Es sei beruhigend zu wissen, dass die Nachfolge geregelt ist. „Heute denke ich aber nicht ans Aufhören“, lacht Boese. Mit dieser guten Laune wird sie ihrem Salon in der Grabenstraße noch eine Weile erhalten bleiben.

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