Salafisten auf dem Sternplatz aktiv

LÜDENSCHEID ▪ Eine Gruppe von Muslimen hat am Samstag auf dem Sternplatz kostenlos Korane an Passanten verteilt. Den LN gegenüber behauptete eine Sprecherin der Gruppe zwar, „keiner bestimmten Sekte“ anzugehören. Doch Herausgeber der Korane ist Ibrahim Abou-Nagie, der als radikaler Prediger und führender Vertreter des deutschen Salafismus gilt und zu Gewalt gegen „Ungläubige“ aufruft.

Der Sternplatz war am Samstag, als tausende von Passanten bei schönem Wetter in die Innenstadt strömten, offenbar ein Hort religiöser Eiferer. Neben den augenscheinlich salafistischen Buchverteilern, die mit einem Pavillon und langem Büchertisch angereist waren, verteilten Aktive der „Ahmadiyya Muslim Jamaat“ ihre Broschüren.

Sie verstehen sich als islamische Reformgemeinde und rufen jeden Menschen unter anderem zu „Loyalität dem Land gegenüber“ auf, „unter dessen schützendem Schatten er in Frieden lebt“. Gleichzeitig boten in wenigen Metern Entfernung Zeugen Jehovas in gewohnter Zurückhaltung ihren „Wachturm“ an. Außerdem spielte ein weiterer Gläubiger christliche Choräle über mitgebrachte Lautsprecher ab.

Mitunter beobachteten umliegende Geschäftsleute, wie bärtige Aktivisten meterweise hinter vornehmlich jungen Passanten hergingen und versuchten, sie – getreu der Kampagne „Lies!“ – zu überreden, einen Koran mitzunehmen. Ziel der Kampagne ist es laut Abou-Nagie, in jedem deutschen Haushalt einen Koran zu platzieren. Medienberichten zufolge hat der Missionierungseifer der Salafisten nie zuvor derartige Dimensionen angenommen. Die Sicherheitsbehörden seien in Sorge, heißt es. Deutsche Sicherheitsbehörden sähen in dem Koran-Projekt weniger einen selbstlosen Einsatz für spirituelle Rettung. „Lies!“ sei viel mehr ein Rekrutierungswerkzeug der Fundamentalisten, heißt es laut „Welt online“ aus Sicherheitskreisen.

Bei dem Buch mit dem Titel „Der edle Qur’an“ handelt es sich nicht um eine deutsche Übersetzung. Der Untertitel lautet „Die ungefähre Bedeutung in deutscher Sprache“. Der als Hassprediger eingestufte Abou-Nagie, der nach eigenen Angaben mit 18 Jahren aus Palästina nach Deutschland kam, hatte zuletzt öffentlichen Unmut erregt, als bekannt wurde, dass er als Hartz-IV-Empfänger mit seiner Familie in einem großzügigen Reihenhaus in Köln-Pulheim wohnt und keiner Arbeit nachgeht.

Die Koran-Verteiler hatten übrigens eine Genehmigung aus dem Rathaus. Wie der zuständige Abteilungsleiter Dieter Rotter gestern sagte, sei der Antrag „schon vor Wochen“ positiv beschieden worden – allerdings ohne gründliche Prüfung. Als Grund gab Rotter „interne Abstimmungsmängel“ an. „Sonst hätten wir viel genauer hingeschaut.“

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