Kontroverses Thema: Impfpflicht ab 2020

Das sagen die Lüdenscheider Ärzte zur geplanten Impfpflicht

+
Impfen (Symbolbild).

Lüdenscheid - Es ist ein Thema, das die Gesellschaft spaltet: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn plant, ab dem 1. März 2020 eine Impfpflicht gegen Masern einzuführen. Nun äußern sich Lüdenscheider Kinderärzte und Kitas zu dem Vorschlag.

Kinderärzte und Kita-Leitungen in Lüdenscheid sind sich einig: Die Masern-Impfpflicht, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ab 2020 plant, sei eine sinnvolle Sache. Gleichzeitig gebe es aber auch noch viele Fragen, die geklärt werden müssen.

Dr. Klaus Burkandt, Kinderarzt in Lüdenscheid, sieht die Impfpflicht positiv: „Anders bekommen wir Krankheiten wie die Masern nicht aus der Welt.“ Masern seien hochansteckend und sowohl für Kinder als auch für Erwachsene sehr gefährlich. „In einem von 1000 Fällen führt die Krankheit zum Tod des Patienten“, sagt Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts.

Durch eine Masern-Infektion wird das Immunsystem geschwächt und ist dadurch anfälliger für weitere Erkrankungen wie Mittelohr- oder Lungenentzündungen. Besonders gefährlich ist die Masern-Gehirnentzündung SSPE, die über mehrere Jahre zum Tod führen kann.

„Glücklicherweise haben wir in Lüdenscheid nur sehr wenige Impfverweigerer“, sagt Dr. Burkandt. Er schätzt den Anteil der Ungeimpften auf etwa ein Prozent. Bei ihnen sei jedoch nicht immer eine Verweigerung ursächlich für den fehlenden Impfschutz. „Manche Eltern vergessen es auch einfach.“

Außerdem könne es vorkommen, dass die Erstimpfung nicht anschlägt. „Deshalb wird der Masern-Impfstoff an zwei Terminen gespritzt, die zeitlich auseinanderliegen“, erklärt Dr. Burkandt. Wenn die zweite Impfung vergessen wird oder aus anderen Gründen ausbleibt, sei die Erstimpfung häufig wirkungslos.

Fraglich ist für den Kinderarzt derweil noch die Umsetzbarkeit der Impfpflicht. Denn: „Heute verwenden wir in der Regel Kombi-Präparate, durch die Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleich gegen drei bis vier verschiedene Krankheiten geschützt werden.“

Wenn sich die Impfpflicht allerdings nur auf Masern beschränke, müssten Pharma-Konzerne wieder Einzelimpfstoffe, sogenannte monovalente Präparate herstellen. Dies sei aber wahrscheinlich nicht lukrativ, vermutet Dr. Burkandt.

Besser sei es, die Pflicht für die Dreifachimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln einzuführen. Auch in den Lüdenscheider Kindergärten befürwortet man den Vorschlag von Jens Spahn. „So ein Schutz ist schon wichtig“, betont Beatrix Hostert, Leiterin der Kindertagesstätte St. Petrus und Paulus.

Man müsse sich vor Augen führen, dass sich in der Kita auf relativ kleinem Raum mehr als 60 Menschen befinden. Ohne Impfung könne das fatal sein, denn „Masern sind eben hochansteckend“. Allerdings erwähnt Hostert auch lobend: „Bei uns sind schon jetzt alle Kinder geimpft.

Infos zur Impfpflicht

Gesundheitsminister Jens Spahn plant, ab dem 1. März 2020 eine Impfpflicht gegen Masern einzuführen. Wer seine Kinder nicht impfen lässt, müsse mit Geldbußen in Höhe von bis zu 2 500 Euro rechnen. Außerdem könnten Kinder ohne Impfschutz vom Kita- oder Schulbesuch ausgeschlossen werden.

Auch das Personal müsste die Impfung oder aber das Durchleiden der Krankheit nachweisen. Bisher ist die Pflicht-Impfung nur gegen Masern geplant. Viele Kinderärzte fordern stattdessen die verpflichtende Mehrfachimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln.

Von der EU-Kommission wurde Spahns Vorschlag zuletzt kritisiert: Die Impfpflicht sei kein Allheilmittel zur Eindämmung der Masern. Statistisch gesehen ist die Zahl der gemeldeten Masernerkrankungen von 4656 im Jahr 2002 auf 544 im Jahr 2018 zurückgegangen.

Nebenwirkungen treten bei der Impfung in 5 von 100 Fällen auf. Die häufigsten sind leichte bis mäßige Temperaturerhöhungen, Magen-Darm-Beschwerden, Mattigkeit oder Kopfschmerzen.

Gegen Masern wird in zwei Etappen geimpft. Die erste Teilimpfung erfolgt in der Regel zwischen dem 11. und 12. Lebensmonat, die zweite frühestens vier Wochen danach.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare