Sadomasochistischer Arzt vor Erfolg bei Gericht

LÜDENSCHEID ▪ Vor demVerwaltungsgericht Arnsberg ging am Donnerstag die Verhandlung über die Klage eines 56-jährigen Facharztes auf Rückgabe seiner ärztlichen Zulassung (Approbation) in die zweite Runde. Dabei sagte erstmals eine seiner ehemaligen Patientinnen aus.

Die 45-jährige Zeugin lastete dem Kläger einen brutalen Fußtritt zwischen die Schulterblätter an – im Krankenhaus wurde einige Stunden später eine Stauchung der Halswirbelsäule festgestellt. Die Zeugin berichtete von äußerst schmerzhaften Dauerfolgen dieses Tritts: Die spontan eingetretene Sehstörung habe sich in den darauffolgenden Monaten fortgesetzt, Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und Alpträume seien dazugekommen. „Es gab eigentlich kaum noch etwas, das ich nicht hatte.“ Der Arzt wies die Vorwürfe kategorisch zurück: „Ich habe sie weder angegriffen, noch sonst irgendetwas gemacht.“

Die zunächst erstattete Strafanzeige wegen dieser Attacke habe sie später aus Angst zurückgezogen, erklärte die Zeugin. „Er hat ja auch vorher schon Gewalt angewendet.“ Teilweise unter Tränen berichtete die 45-Jährige auch von den Schmerzen, die sie bei sadomasochistischen Praktiken erlitten habe – schon bevor es im nichtöffentlichen Teil der Sitzung um die „richtig widerlichen Themen“ gehen sollte, wie die Zeugin formulierte, als sie um besonderen Schutz ihrer Persönlichkeit bat. Mit den „intimen Fragen“ allerdings war die Kammer innerhalb von fünf Minuten durch – viel gab es nach einem für den Kläger positiven Zwischenbericht offenbar nicht mehr zu erörtern.

Bevor die Öffentlichkeit aus dem Sitzungssaal verbannt wurde, erklärte die Kammervorsitzende Annedor Ströcker die Rechtsauffassung der fünfköpfigen VII. Kammer: „Es spricht nach derzeitigem Stand der Dinge viel dafür, dass die Voraussetzungen für den Widerruf der Approbation unter Berücksichtigung strafrechtlicher Voraussetzungen und einer Körperverletzung nicht erfüllt sein dürften.“ Und zur Begründung verwies die Kammer die unbestrittenen sadomasochistischen Praktiken des Arztes in die Privatsphäre seiner Patientin: „Nach bisherigem Sachstand spricht viel dafür, dass keine ausreichenden Anhaltspunkte bestehen, dass die sexuellen Beziehungen zwischen dem Kläger (dem Arzt) und der Zeugin unter Ausnutzung des Arzt-Patientin-Verhältnisses zustandekamen.“

Die Formulierung machte deutlich, dass es der Kammer bei der vorausgegangenen Befragung der Zeugin ausschließlich um die Frage gegangen war, ob der Mediziner seine ärztliche Tätigkeit mit der sadomasochistisch-sexuellen Beziehung vermengt hatte. Und diese entscheidende Frage wird die Kammer nach deutlicher Ankündigung voraussichtlich verneinen und die Zulassung zurückgeben.

Am Ende wurde die Beweisaufnahme geschlossen. Mit einem Urteil kann innerhalb von zwei Wochen gerechnet werden. ▪ thk

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