Sadomasochist muss Schmerzensgeld bezahlenen

LÜDENSCHEID ▪ Ein in Lüdenscheid niedergelassener Neurochirurg und die Geschäftsleitung eines Krankenhauses im Südkreis müssen einem 62-jährigen Lüdenscheider 15 000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz zahlen. Der Mann ist seit einer Lendenwirbel-Operation im Juni 2006 zu 100 Prozent behindert.

Direkt nach dem Eingriff entstehen starke Blutungen an der Narbe, ein Hämatom klemmt das Rückenmark ein, die Beine werden taub, es treten Lähmungserscheinungen auf, der Verdauungstrakt versagt zeitweise. Doch es vergehen vier Tage, bis der Operateur, der in dem Krankenhaus nur als beratender Arzt geführt wird, reagiert und den Mann in die „Röhre“ schickt. Auch dort wird das Hämatom nicht erkannt. Ein Jahr dauert der Leidensweg, bis ein Spezialist in Emmerich ein „inkomplettes Querschnittssyndrom“ feststellt, das nicht mehr operiert werden kann.

Der Neurochirurg bestreitet seine Verantwortung und schiebt sie dem Radiologen zu. Die Krankenhausleitung schiebt die Schuld auf den operierenden Arzt. Doch der medizinische Gutachter Prof. Dr. Hans-Werner Bothe aus Münster sieht „erhebliche Anzeichen dafür, dass direkt nach der Operation hätte reagiert werden müssen“. Immerhin liege die Chance auf eine Heilung dann noch bei 40 Prozent. Richter Wolfgang Rathsack: „Einige Formulierungen in dem Gutachten könnten darauf hindeuten, dass ein grober Behandlungsfehler vorliegt.“

Die Zivilkammer schlägt den Parteien einen Vergleich vor. 20 000 Euro hat Klägeranwalt Dirk Löber gefordert. Schließlich stimmen die Rechtsvertreter des Krankenhauses und des Neurochirurgen einer Zahlung von 15 000 Euro zu. Der 62-jährige ehemalige Automateneinrichter ist einverstanden.

Bei dem Arzt handelt es sich um den Mann, der sadomasochistische Liebesbeziehungen zu Ex-Patientinnen aufgebaut hat und auch deshalb schon vor Gericht stand. Der Entzug seiner Approbation durch den RP ist – wie berichtet – zunächst gescheitert. Vor Gericht erschien er gestern nicht.

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