Russische Hinterbliebene besuchen Lüdenscheid

Walentin Kunizyn (Mitte) mit seinem Bruder Gennadij und Lidia Jakowlewa in Amersfoort, der russische Soldatenfriedhof liegt im benachbarten Leusden.

LÜDENSCHEID ▪ Ein Geschichtskapitel, das noch aufgearbeitet wird: Erst im September wurde mit einem Vortrag von Remco Reiding bei einer Gedenkveranstaltung der Friedensgruppe bekannt, dass mehr als 200 Russen nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Lüdenscheid starben.

Sie waren von den Amerikanern aus dem Stalag VI a in Hemer befreit und ins Lazarett am Baukloh gebracht worden, wo sie an Tuberkulose starben. Bestattet wurden sie von den Amerikanern in den Niederlanden. Nachdem die Briten die Besatzung übernommen hatten, so vermutet Matthias Wagner von der Friedensgruppe, ließen sie Verstorbene in Massengräbern auf dem evangelischen und dem katholischen Friedhof in Lüdenscheid bestatten.

Am Montag besuchten neun Hinterbliebene die Bergstadt – eine ergreifende Konfrontation mit der Vergangenheit, berichtet Reiding. Er hat die Stiftung Russisches Ehrenfeld gegründet und forscht nach Hinterbliebenen von Soldaten, die in Leusden begraben sind. Walentin Kunizyn erfuhr erst im März von Reiding, dass sein Vater in Lüdenscheid starb. Der 71-Jährige sagte: „Solange es Vermisste gibt, sind nicht alle Wunden geheilt. Ich möchte die Stadt Lüdenscheid bitten, Remco Reiding bei seiner Suche nach Hinterbliebenen von hier gestorbenen Kriegsgefangenen, die im eigenen Land noch als vermisst gelten, zu helfen.“ Reiding hat bereits Familien von Dutzenden von Sowjetsoldaten gefunden, die in Lüdenscheid starben.

Reiding dankte Bürgermeister Dzewas und der Stadt für den Empfang. „Ich hoffe auf eine fruchtbare Fortführung unserer Zusammenarbeit, damit die circa 200 Russen, die in Baukloh gestorben sind, auch in Lüdenscheid nicht vergessen werden.“ Die Stiftung und die Hinterbliebenen würden sich freuen, wenn auf dem evangelischen Friedhof eine Gedenktafel errichtet würde, so wie die Friedensgruppe vorschlug. ▪ gör

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare