Jüdisches Geschäft wird zum Offizierskasino

Die Häuserzeile, die in den 1930er-Jahren dem damaligen Adolf-Hitler-Platz gegenüber lag, existiert schon lange nicht mehr – nur die Gaststätte „Hulda am Markt“ ist geblieben.

Lüdenscheid - Gerhard Geisel und Dietrich Leutloff begleiten die Leser unserer Serie „Alt-Lüdenscheid“ auf einem Rundgang durch die Stadt. Sie zeigen Anblicke, die es so nicht mehr gibt. Auch die achte Station führt  ins Herz der Stadt, zum heutigen Rathausplatz.

Rundgang durch Alt-Lüdenscheid:

Gerhard Geisel und Dietrich Leutloff begleiten die Leser unserer neuen Serie „Alt-Lüdenscheid“ auf einem Rundgang durch die Stadt. Sie zeigen dabei Anblicke, die es so nicht mehr gibt. Viele der Häuser sind lange abgerissen, andere Ausblicke mit neuen Häusern zugebaut. Die Bilder stammen aus dem LN-Archiv, dem Stadtarchiv und der Sammlung Schumacher, die Texte in gekürzter Form aus dem Buch „Die Lüdenscheider Straßennamen“ (ISBN: 9783981332513 ).

Bei der 8. Station wollen wir zunächst unseren Blick auf die linke Seite des Bildes richten. Wir erkennen das Café Uebach, dann das Textilgeschäft Lebenberg, schließlich noch mit Mühe das Café Halfmann. Das Foto stammt aus der Zeit vor 1938.

D. Lebenberg war Jude, hatte sein Geschäft an die ebenfalls jüdische Familie Kahn übergeben und sich vor den Nationalsozialisten in Sicherheit gebracht. In der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 stürmte die SA, die sich auf dem rechts liegenden Rathausplatz, seit 1933 Adolf-Hitler-Platz, formiert hatte, das Geschäft und zerstörte es.

Der Lüdenscheider Generalanzeiger vermerkte, man habe aber nichts aus dem Geschäft gestohlen… Das Gebäude wurde von der Stadt Lüdenscheid konfisziert und man richtete die bekannte Lüdenscheider Gaststätte „Zum Ritter“ dort ein. Dem Vernehmen nach diente das Obergeschoss des „Ritters“ der Wehrmacht als innerstädtisches Offizierskasino.

Die Familie Kahn konnte sich im Übrigen in Sicherheit bringen. Die gesamte Häuserzeile auf der linken Seite des Bildes wurde abgerissen und neu gestaltet. Einzig die „Hulda“ hat alle Umbaumaßnahmen unbeschadet überstanden. Auf der rechten Seite des Bildes sehen wir die Linden, die der Verschönerungsverein der Stadt im Jahre 1905 pflanzen ließ. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelten sich die Bäume zu einer prächtigen Allee. Leider wurden sie nach und nach im Rahmen der Umbauten des Platzes gefällt.

 

Hier finden Sie alle Spaziergänge durch "Alt-Lüdenscheid"

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