Rund 500 Tonnen "wilder Müll" kosten Stadt enorm viel Geld

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Die Hartz-IV-Kolonne mit Anleiter Wolfgang Mehlich (r.) hat gestern innerhalb von knapp vier Stunden bereits die Schütte ihres STL-Fahrzeugs zu drei Vierteln gefüllt – ohne ihren Einsatz müssten Lüdenscheids Haushalte nochmals rund 100 000 Euro pro Jahr mehr für die Beseitigung wilder Müllkippen bezahlen.

Lüdenscheid - Die riesige Menge von 498 Tonnen achtlos oder mutwillig weggeworfener Abfälle und Müll aller Art haben STL-Mitarbeiter 2011 im Stadtgebiet geborgen – das sind nochmals gut 65 Tonnen mehr als im bisherigen Rekordjahr 2009.

Von Wolfgang Kleinfeld

„Die Zahl bestätigt leider das hohe Niveau von deutlich mehr als 400 Tonnen wilden Mülls, die wir mittlerweile jedes Jahr einsammeln müssen“, sagte Frank Bäcker, Leiter des STL-Recyclinghofes. Pendelte die Menge bis 2007 jährlich noch bei 250 bis gut 300 Tonnen im Jahr, registrierte der STL 2008 432,1 Tonnen und 2009 432,9 Tonnen. 2010 gab es dann einen Rückgang auf 370 Tonnen – allerdings nur, weil wegen der Schneemassen in den letzten beiden Monaten des Jahres so gut wie kein wilder Müll eingesammelt werden konnte. „Dies ist sicher auch eine Erklärung für den enormen Anstieg im letzten Jahr“, meinte Bäcker. Denn in die Bilanz 2011 seien natürlich auch die vielen Tonnen unterm Schnee versteckten und liegengebliebenen Wildmülls aus dem Vorjahr eingeflossen.

Für das Einsammeln des Mülls, der die Landschaft verschandelt, müssen Lüdenscheids Haushalte über die Müllgebühren jährlich 650 000 bis 700 000 Euro aufbringen. „Das sind etwa sechs bis sieben Prozent der Gesamtkosten fürs Einsammeln und den Transport des Lüdenscheider Hausmülls und hausmüllähnlichen Gewerbeabfalls“, erklärte Bäcker. Rund 30 feste Mitarbeiter sind beim Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetrieb Lüdenscheid (STL) für die Reinigung der Stadt zuständig. Unterstützt werden sie von vier bis fünf Hartz-IV-Hilfskräften, die ausschließlich zur Beseitigung von wildem Müll eingesetzt werden. Ohne den Einsatz dieser Kolonne müssten noch einmal mindestens 100 000 Euro mehr aus dem Gebührentopf entnommen werden.

Ob Mintenbecker Tal, Brockhauser Ebene, Parkanlagen, Fußgängerzone oder an den Straßen (vor allem im Bereich von Ampeln) – querbeet durchs Stadtgebiet beschert die ausgeprägte Wegwerfmentalität vieler Menschen den STL-Müllsammlern Abfälle aller Art. „Es ist kaum zu glauben: Da schleppen Leute einen Kühlschrank weit in den Wald hinein, anstatt ihn kostenlos und bequem auf dem STL-Recyclinghof abzugeben“, meinte Bäcker. „Wir haben an sechs Tage insgesamt 58 Stunden in der Woche geöffnet – und dazu sind immer Mitarbeiter da, die bei schwerem Sperrmüll gern mit anpacken.“ Wenn Müllsünder auf frischer Tat ertappt werden, drohen ihnen mindestens 130 Euro Kostenersatz fürs Wegräumen des Mülls, sagte Bäcker. Je nach Menge könne die Summe aber auch das Vier- oder Fünffache erreichen.

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