Außendienstler oder Trittbrettfahrer?

Rüpel-Trio mit Dienstausweisen von "unitymedia" ruft Polizei auf den Plan

Lüdenscheid - Mit rüpelhaftem Auftreten und zweifelhaften Methoden haben drei mutmaßliche Außendienstler des Kabelanbieters „unitymedia“ am Dienstagabend an der Lennestraße für mächtig Ärger, Verunsicherung und Schäden gesorgt. Die Polizei ermittelt wegen Hausfriedensbruchs, Urkundenfälschung und Sachbeschädigung gegen die Männer.

Das Trio hält gegen 17.30 Uhr mit einem Auto mit Wiesbadener Kennzeichen vor den Mietshäusern an. Gegen 18 Uhr ruft der erste Mieter bei Hausbesitzer Klaus Sandmann in Schalksmühle an. Die Männer, teilt er mit, wollten am nächsten Tag Glasfaserkabel verlegen und Verträge abschließen, damit das erweiterte Angebot nutzbar sei. Sandmann: „Mir war nichts von Modernisierungsarbeiten in meinen Häusern bekannt.“ Er habe empfohlen, nichts zu unterschreiben.

Als sich wenige Minuten später weitere Mieter aus den Nachbarhäusern bei Sandmann melden, fährt er zur Lennestraße. „Alle Mieter waren in heller Aufregung.“ Eine junge Frau berichtet, sie habe trotz massiver Werbeversuche keinen Vertrag unterschrieben. Da habe einer der Männer den Vertrag selbst mit ihrem Namen unterzeichnet und gesagt: „Wundern Sie sich nicht, wenn Sie in fünf Minuten nicht mehr telefonieren können und kein Internet mehr haben.“

Einen Moment später sind die Leitungen tatsächlich tot. Sandmann und die inzwischen alarmierten Polizisten finden einen zerstörten Endverzweiger der Telekom im Keller. Alle Festnetzanschlüsse sind außer Betrieb.

Auch der Anschluss einer älteren behinderten Dame, die sich kurz zuvor von den angeblichen „unitymedia“-Mitarbeitern überrumpeln lassen und einen Vertrag unterschrieben hat. Die Mieterin ist dringend auf das Telefon angewiesen, weil darüber das Hausnotrufsystem der Johanniter Unfallhilfe geschaltet ist.

Als die Männer gerade abfahren wollen, werden sie von den Polizisten gestellt. Nach Aufnahme der Personalien und Inaugenscheinnahme der „unitymedia“-Dienstausweise lassen die Beamten das Trio davonfahren. Klaus Sandmann setzt sich mit dem Kabelanbieter in Verbindung und fordert die Stornierung der neuen Verträge.

Gegenüber der LN-Redaktion sagt „unitymedia“-Sprecher Tobias Dreckmann, „ähnliche Fragen“ habe man „schon öfter beantwortet“. Möglicherweise handele es sich bei den Tätern um „Trittbrettfahrer“. Dreckmann: „Das müssen wir aber intern validieren.“

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