Rotary erfolgreich gegen Polio

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Eine Krankheit, viele Aspekte: Lüdenscheids Rotarier hörten Vorträge über die „PolioPlus“-Kampagne. Mitte: die Referenten Hans-Joachim Wöbbeking (sitzend) und Dr. Christian Schleuss.

Lüdenscheid - „Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam.“ Und die Erfolge bei der Ausrottung dieser Krankheit sind unglaublich:

Aus kleinsten Anfängen wurde in den vergangenen Jahrzehnten das größte medizinische „Projekt für Menschen“. Dank des rotarischen Großeinsatzes von Mensch, Material und Mitteln sind seit 1988 123 Staaten poliofrei geworden; nur noch in zwei Ländern sind wenige Fälle dokumentiert. Wann das rotarische Ziel einer „Welt ohne Kinderlähmung“ erreicht ist, aber auch, wie Erkrankte ihr Leben meistern, das hörten Vertreter der drei Lüdenscheider Rotary-Clubs und Inner Wheel von zwei Referenten.

Damit wurde an diesem Abend zweierlei deutlich: Spenden sind nach wie vor erforderlich, weil die auch „PolioPlus“ genannte, weltumspannende Initiative mittlerweile Strukturen aufgebaut hat, die sich auch bei der Bekämpfung anderer Krankheiten hervorragend nutzen lassen. Es sei nicht ganz einfach, so schilderte es beispielsweise der rotarische Polio-Beauftragte Dr. Christian Schleuss (Hagen), einen Impfstoff gekühlt von der Produktionsstätte in Frankreich in die Wüste Gobi zu bringen. Aber: „Hat man das einmal gemacht, klappt das auch mit anderen Impfstoffen.“ Auch bei der Ebola-Epidemie habe man „PolioPlus“-Helfer zur Aufklärung eingesetzt.

Dass Kinderlähmung trotz allem noch ein Thema auch in Deutschland ist, das war der zweite wichtige Punkt, den Referent Hans-Joachim Wöbbeking (Bergkamen) der Versammlung nahebrachte: Weltweit gibt es viele Menschen, die an Spätfolgen ihrer Polio-Erkrankung leiden. Hier müsse man, machte der Vorsitzende des Bundesverbandes Poliomyelitis deutlich, noch viel aufklären. Symptome des so genannten Post-Polio-Syndroms würden selbst von Ärzten nicht erkannt, die die frühe Polio-Infektion nicht als Ursache spät auftretender Beschwerden sähen. Die Folge: eine ständige Auseinandersetzung mit Kostenträgern. Aber: „Wir sind Kämpfer“, sagt der Betroffene (66), der unter Tage gearbeitet, eine Familie gegründet hat und nach ersten Post-Polio-Symptomen 1995 nun im Rollstuhl sein „zweites Leben in der Selbsthilfe“ lebt.

„So nah dran“, ist die „End Polio Now“-Kampagne überschrieben. Das könne man heute sagen, betonte Dr. Schleuss, weil es Rotary – „das Herz und die Seele der Aktion“ und größter Geldgeber – früh gelungen sei, wichtige Akteure mit ins Boot zu holen. Er schilderte die Anfänge 1978, als Rotary International ein weltweites, wirkungsvolles Projekt suchte, sprach von „unserer großen Kooperation“, dem WHO-Einstieg“ und schlug den Bogen zur „Bill  & Melinda Gates“-Stiftung, die jeden gespendeten Euro verdreifacht. Das Geld fließe direkt ins große Impf-Ziel: „Wir haben null Cent Verwaltungskosten.“ - sum

www.endpolio.org/de

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