Beschäftigungspotenzial für Fachkräfte und Flüchtlinge

Rosige Aussicht im Handwerk

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Die Auslastung der Firmen, so die Kreishandwerkerschaft, liege im Schnitt bei 81,5 Prozent. Die gesamten Innungsfachbetriebe – im Bild Heiko Kind (r.) und Dominik Alheidt von der Tischlerei Cordt Am Bierbaum in Lüdenscheid – setzten auf Qualität.

Lüdenscheid - Das Handwerk bleibt eine tragende Säule der heimischen Wirtschaft. Gute Geschäftslage, Beschäftigungspotenzial für Fachkräfte, Auszubildende und Flüchtlinge und steigende Investitionen – die Botschaften der Kreishandwerkerschaft könnten nicht besser sein.

Von 166 teilnehmenden Innungsfachbetrieben der Konjunkturumfrage meldete fast jeder Fünfte steigende Beschäftigungszahlen für das zurückliegende Halbjahr. Das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Zudem erwarten so gut wie alle Betriebe für die nächsten sechs Monate gleichbleibende oder weiter wachsende Mitarbeiterteams. 41 Prozent der Befragten würden Fachkräfte einstellen. Weit mehr als jeder dritte Betrieb sucht Nachwuchs.

„Das zeigt, dass die Ausbildungsbereitschaft auf einem konstant hohen Level bleibt und das Handwerk seinen Titel als ,Ausbilder der Nation’ völlig zu Recht trägt“, unterstrichen die Kreishandwerksmeister Thomas F. Bock und Christian Will bei der Vorstellung der neuen Ergebnisse. „Das Handwerk bietet eine sichere berufliche Zukunft.“ Sogar zuverlässige Hilfskräfte hätten eine Perspektive. „Die Beschäftigungsaussichten sind so rosig wie nie.“

Wegen der großen gesellschaftlichen Herausforderungen haben die Kreishandwerker die Flüchtlingsthematik gesondert in den Blickpunkt gerückt und dabei durchaus bemerkenswerte Rückmeldungen aus den Betrieben erhalten, so Hauptgeschäftsführer Dirk H. Jedan. So sind rund 40 Prozent der Betriebe bereit, Flüchtlinge über ein Praktikum kennenzulernen. 30 Prozent könnten sich vorstellen, einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen, ebenfalls 30 Prozent der Teilnehmer sehen in Zuwanderern mit entsprechender Qualifizierung die gewünschten Facharbeiter. „Das Handwerk ist hier nicht nur auf der Suche nach den dringend benötigten Arbeitskräften, sondern kommt auch seiner sozialen Verantwortung nach und leistet seinen Beitrag zur Integration“, so Jedan. Solche positiven Nachrichten lassen sich nur auf einem soliden Fundament verbreiten: die Auftragsspirale mit einem Bestand von 7,2 Wochen dreht sich weiter leicht nach oben. So konnte der Anteil an Betrieben, die ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend beurteilen, noch einmal um satte zehn Prozent auf nunmehr 92 Prozent gesteigert werden. Ein Drittel der Befragten gab fürs vergangene Halbjahr steigende Investitionen an, mehr als die Hälfte blieb auf gleichem Niveau.

Ausgerechnet die Städte und Gemeinden sind es, die das farbenfrohe Bild eintrüben. Denn die bereits beschlossenen oder noch diskutierten Erhöhungen der Gewerbe- und Grundsteuer sind aus Sicht der Kammer Gift fürs Klima. Fast jeder zehnte Betrieb erwartet für die kommenden Monate deshalb eine schlechtere Geschäftslage wie auch einen Rückgang seines Gesamtumsatzes.

Thomas F. Bock: „Das Qualitätshandwerk im Märkischen Kreis ist und bleibt gefragt. Wir sind auf einem guten Niveau. Das darf allerdings nicht dazu führen, dass weiter an der Steuerschraube gedreht wird. Wir dürfen nicht an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen.“

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