Verhandlung wird vertagt

Amtsgericht Lüdenscheid: Rollerraub bleibt undurchsichtig

Lüdenscheid - Der Raub eines Rollers beschäftigt derzeit das Amtsgericht: Ein heute 34-jähriger Hauptangeklagter soll diesen – unterstützt von weiteren Personen – nach einem Faustschlag einem heute 53-Jährigen auf der Elsa-Brändström-Straße abgenommen haben.

Die Geschichte liegt bereits anderthalb Jahre zurück. Nicht nur deshalb war der Abstand groß, den der Geschädigte als Zeuge gegenüber den Ereignissen zum Ausdruck brachte. „Er war mein Dealer“, erklärte der ehemals Heroinabhängige zum Hintergrund des Streites, mit dem er endgültig abschließen wolle: „Ich brauche den Angeklagten nicht, ich brauche seine Drogen nicht, ich möchte mit der Sache einfach nichts mehr zu tun haben.“ Weil das Geld nicht immer gereicht habe, habe er dem Angeklagten wiederholt Pfand-Gegenstände übergeben, die der bei ausbleibenden Zahlungen auch behalten habe, erinnerte sich der Zeuge. 

Es sei aber nicht richtig, dass er ihm kurz zuvor auch den Roller samt Schlüssel und Papieren als Pfand für einen ausstehenden Betrag von 20 Euro übergeben habe. So hatte es zuvor der Hauptangeklagte behauptet, der sich darauf berief, bei der Szene auf der Straße lediglich sein Eigentum zurückgeholt zu haben. Als ihm zugefallenes Pfand habe der Roller ihm gehört. Der Zeuge habe ihn aber widerrechtlich zurückgeholt, worauf er entsprechend reagiert habe.

„In Sachen Schulden sind die schon ein bisschen rabiat“, bestätigte der Zeuge und äußerte ein gewisses Verständnis für die Geschäftspraktiken von Drogenhändlern: „Die mussten sehen, dass sie auch neue Ware kaufen konnten. Wenn man sich in dieser Szene bewegt, muss man auch mit den Konsequenzen leben.“ Dennoch war der 53-Jährige noch spürbar empört über den Übergriff, bei dem der 34-Jährige ihm durch die Visieröffnung des Motorradhelms ins Gesicht geschlagen habe: „Ein halbes Jahr vorher habe ich noch gearbeitet. Damals hatte ich noch mein Auto, mein Quad und einen Roller. So konnte ich mich von der Szene distanzieren.“

Der Zeuge erinnerte sich, dass der Hauptangeklagte am Tattag „drei Russen“ bei sich gehabt habe: „Man hat mich bedroht – gegen einen hätte ich mich noch gewehrt, aber gegen vier?“ Die angebliche Nationalität der Mittäter passte nicht zu den beiden Mitangeklagten (33 und 41), die der Zeuge nicht wiedererkannte. Die Beiden wurden kurz nach der Tat von der Polizei in Begleitung des Hauptangeklagten angetroffen – einer von ihnen war mit dem erbeuteten Roller trotz Trunkenheit unterwegs gewesen, was er vor Gericht zugab.

Offen blieb schließlich die Frage, wer der rechtmäßige Eigentümer des Rollers zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Raubes gewesen war. Wichtige Polizei-Zeugen hatten sich jedoch entschuldigt. Ihre am Tatort erst später eingetroffenen Kollegen konnten die Frage nicht beantworten, wo Schlüssel und Papiere zu dem Fahrzeug sichergestellt wurden. So vertagte das Schöffengericht die Sitzung auf den 10. Februar, 14 Uhr.

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