Brocken fallen von Fassade: Geheimnisvolle Risse in der Bücherei

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Bereits von außen musste an der Stadtbücherei der Stuck repariert werden.

Lüdenscheid – Die gute Nachricht vorweg: Es besteht keine unmittelbare Gefahr, beim Stöbern zwischen Buchseiten von Putz berieselt oder gar getroffen zu werden. Mit der Hiobsbotschaft, das Gebäude der Stadtbücherei habe quasi über Nacht Risse bekommen, überraschte Gabriele Krumme, bei der Stadt für das Objektmanagement zuständig, die Mitglieder des Bauausschusses in ihrer Sitzung am Mittwochabend.

Das ehrwürdige Gebäude am Graf-Egelbert-Platz hat – so scheint es – ein eigentümliches Eigenleben. 2016 ein unerklärlicher Wasserschaden im Studio, 2017 rieselt im Eingangsbereich der schallschluckende Akustikputz von der Decke, dann im September Stuckschäden an der Außenfassade zur Corneliusstraße hin und jetzt im Dachgeschoss im Verwaltungstrakt Risse im Mauerwerk. „Und die sind definitiv neu“, sagt Gabriele Krumme, die natürlich darum weiß, dass alte Gebäude durchaus Risse haben. Das sei nicht besorgniserregend.

Aber, so heißt es im Amtsdeutsch: „Recherche nach derzeit unbekannter Ursache erforderlich“. Im Herbst 2016 gab’s schon einmal düstere Aussichten für das schmucke Kino in der Bücherei. Büchereileiterin Dagmar Plümer hatte Alarm geschlagen, als es unterm Teppich im Studio quietschte. Eine Leckortung blieb ergebnislos, denn im Studio befinden sich weder Zuwasser- noch Abwasserleitung.

Am Ende blieb nichts, als den Putz von der Wand stemmen zu lassen. Aber den Grund für die Feuchtigkeit fand die Zentrale Gebäudewirtschaft nicht. Nach intensiven Nachforschungen rückte ein Wünschelrutengänger an und stellte fest: Im unteren Bereich des Kinos verläuft eine natürliche Wasserader. Krumme zog einen Geologen hinzu. Alles wurde abgedichtet, eine Tauchpumpe eingesetzt. Und dann endlich konnte man vermelden: „Alles dicht!

Ob allerdings der Wasserschaden mit den neuen Rissen im Baukörper zu tun hat, ist noch ungewiss. Der federleichte und schallschluckende Akustikputz im Foyer der Stadtbücherei bröselte stückchenweise 2017 von der Decke. Im September schließlich fielen dem aufmerksamen Hausmeister Stuckschäden an der Fassade zur Corneliusstraße hin auf. Krumme: „Wir sind dann mit einem Steiger an der Fassade entlang gefahren und haben den Stuck überprüft.“ Ein Gutachter aus Altena rückte an mit dem Ergebnis, dass aus Sicherheitsgründen ein rund einen Meter langes Stuckelement abgetragen werden musste. Die Risse im Dachgeschoss der Bücherei seien definitiv neu.

Stadtbüchereimitarbeiter entdeckten die Risse und alarmierten die Zentrale Gebäudewirtschaft. Nun wird die komplette Statik des Gebäudes von dem Statiker Dr. Bild überprüft, zertifizierter Bauwerkprüfer aus dem benachbarten Hagen. Das Lüdenscheider Vermessungsbüro Schulz hat mittlerweile sogenannte Rissmarken angebracht. Ebenso wurden spezielle Bolzen an den tragenden Säulen eingebaut. Damit kann eventuelle Bewegung des Gebäudes bis auf ein hundertstel Millimeter nach dem Winter festgestellt werden. Für die ZGW heißt es nun erst einmal abwarten und beobachten. Nach Einschätzung der Statiker besteht keine Gefahr für Büchereibesucher.

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