Riester schult Volksbänker im Riestern

Ex-Bundesarbeitsminister Walter Riester war auf Einladung der märkischen Volksbank zu Gast in Lüdenscheid.

LÜDENSCHEID - Sein Name steht im Duden – als Verb: „Riestern“ ist zum geflügelten Wort, ja Gattungsbegriff geworden, seit es nicht nur die Riester-Rente, sondern auch den Wohn- oder Pflege-Riester gibt. Leibhaftig war Ex-Bundesarbeitsminister Walter Riester, der Namenspatron für ergänzende soziale Vorsorge schlechthin, gestern im Mercure-Hotel als Referent für zahlreiche Volksbänker aus dem Kreis zu erleben.

Und ein Erlebnis war das allemal. Denn der Mann, der den Produkten den Namen gab, die diese heimischen Finanzberater schon an über 6000 Kunden gebracht haben, hatte ihnen tatsächlich noch Neues zu erzählen. So ist selbst eingefleischten Experten vielfach nicht bekannt, dass die Riester-Rente für „Aufstocker“ kostenlos ist. Es geht dabei um 1,3 Millionen Menschen, die ihr Arbeitseinkommen erst über staatliche Hilfen auf Sozialhilfeniveau anheben lassen müssen. Für sie zahlt Vater Staat den Riester-Beitrag, der im Alter eine höhere Rente einbringt. Nur: Darüber werden sie oftmals von Arbeits- oder Sozialverwaltung gar nicht aufgeklärt.

Den Sozialdemokraten Walter Riester macht das wütend: „Wäre ich heute noch Minister, würde ich da reinhusten!“ Es gehe ja nicht nur um die Vermeidung von Altersarmut, auch der Staat tue sich keinen Gefallen, muss er doch am Ende die Grundsicherung über die Sozialhilfe alleine zahlen.

Walter Riester ist heute mit 66 Jahren Aufsichtsratschef der Fondsgesellschaft Union Investment und ein gefragter Referent. Seine Botschaft gegen die Scheu vor langfristigen vertraglichen Bindungen: „Das Riestern kann einen nie drücken!“

Im Mercure begrüßten ihn Josef-Werner Schulte, Roland Krebs und Uwe Kleppel aus dem Vorstand der heimischen Volksbank: „Wir sind stolz und froh, Sie hier zu haben“, sagte Schulte. Das Riestern sei nicht nur die sicherste Sparförderung, sondern auch die attraktivste Form der Alterssicherung. Deshalb gebe es trotz der hohen Zahl bereits geschlossener Verträge immer noch Luft nach oben – „und je früher man anfängt, desto lukrativer wird es.“

Sofern man nicht vergisst, Anträge auf Zulagen zu stellen. Auch dafür hatte Riester eine Lösung mitgebracht: den Dauerzulagen-Antrag, der auch vergesslicheren Kunden die Rentenerträge sicherstellt.

„Das wird aber teuer“, hatte Kanzler Schröder zu seinem Minister gesagt, als der ihm die Pläne für die zusätzliche Altersvorsorge vorlegte, erinnerte sich Riester schmunzelnd. Bis heute tut er in den Beraterschulungen viel dafür, dass es für den Staat noch teurer wird – und Menschen im Alter ein besseres Auskommen haben. Er selbst durfte übrigens nicht riestern. Dafür, dass dies auch für Abgeordnete gilt, setzte er sich vergeblich ein.

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