Magnet für Kletterer in Südwestfalen

Sportkletterer erobern die Kletter-Kathedrale Rosmart

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Klettern im Überhang im Vorstieg kommt dem alpinen Klettern am nächsten.

Rosmart - Die Kletterwelt Sauerland auf Rosmart hat schon etwas von einer Kathedrale: Linien ziehen massenhaft nach oben in den Decken-Himmel, steile und überhängende Wände weisen in die Senkrechte. Die schiere Größe ist beeindruckend. Die Kletterwelt hat alles, zum Mittelpunkt der Kletterszene in Südwestfalen zu werden.

Hallenklettern wird immer beliebter, die ursprünglichste Fortbewegung des Menschen mit Händen und Füßen wird dabei nachempfunden und weiterentwickelt. Klettern verschafft intensive Erlebnisse mit den Grenzen des eigenen Körpers, mit der unmittelbaren Auseinandersetzung von Schwerkraft und Höhe. In die Tiefe zu fallen ist eine Urangst – sich dieser Urangst beim Sportklettern spielerisch entgegenzusetzen erzeugt ein großartiges Gefühl von Selbstbestimmung und von Freiheit.

Alfred ist mit über 70 Jahren voll motiviert in Routen im mittleren Schwierigkeitsgrad im Toprope unterwegs.

Klettern funktioniert aber nur in Gemeinschaft, ohne einen Partner ist kein sicheres Klettern in der Höhe möglich. Die Kletterwelt Sauerland bietet auf 1500 Quadratmeter Fläche und 16 Metern Höhe alles, was sich der moderne Sportkletterer wünscht. Die strategisch sehr günstige Lage zwischen den nächstgelegenen vergleichbaren Hallen in Dortmund, Siegen und Wuppertal trägt dazu bei.

Für Kletterer aus der unmittelbaren Gegend rund um Lüdenscheid ist die neue Halle ein Segen, aufwändige mehrstündige Fahrzeiten für einen einzigen Abend Freizeitsport fallen weg. Hallenklettern funktioniert ausschließlich nur zu zweit und bietet zwei verschiedene Varianten.

Martina hängt im Überhang entspannt am ausgestreckten Arm, das spart Kraft. Mit rechts wird das Seil in die Sicherung geclippt.

Die einfachere Variante ist das Toprope-Klettern. Dabei kommt das Seil („rope“) durch eine Umlenkung unter dem Hallendach von oben („top“). Der Kletterer bindet das Seil in der Regel mit dem so genannten Achter-Knoten in den Anseilpunkt seines Hüftgurtes ein. Am anderen Ende des Seiles steht der Sicherungspartner auf dem Boden, der das Seil in sein Sicherungsgerät eingelegt hat. Fällt der Kletterer in der Route, wird der Sturz durch die Dehnung des Seils sanft aufgefangen. Im Toprope können die Schwierigkeiten einer Route ausprobiert werden, mehrere Versuche sind möglich, es kann auch im Seil hängend pausiert werden.

Abheben in der Kletterwelt Sauerland

Die Vorstiegs-Variante des Kletterns kommt dem alpinen Klettern näher. Das Seil kommt von unten, der Kletterer hängt das Seil in die vorbereiteten Sicherungspunkte in Form von Schnappkarabinern ein. Die mentale Belastung ist erheblich größer. Beim Sturz fällt der Kletterer über den letzten Sicherungspunkt hinweg, ein paar Meter freier Fall können es so schon werden. Sportkletterrouten werden im Wettbewerb „onsight“ und „rotpunkt“ geklettert. Das bedeutet, dass ein Kletterer die Route vorher nur anschauen durfte und die Sicherungspunkte nicht belasten darf. Der Schwierigkeitsgrad gilt als geschafft, wenn die Route in einem Zug ohne Sturz frei durchgeklettert wird. Klettern wird übrigens in 2020 olympisch.

Martin klettert hier direkt unter der Decke waagerecht hängend. Kletterer sprechen dabei von einem „Dach“ – dass hier neben sehr guter Körperspannung und Armkraft auch eine effiziente Technik nötig ist, ist klar.

Jede Route in Rosmart hat einen genau definierten Schwierigkeitsgrad. Die Griffe einer Route sind in einer Farbe, die Farbe selbst hat aber keine Bedeutung. Auf Rosmart wird die gängige Kletterskala nach UIAA verwendet. Sie reicht hier von römisch 3 bis 10, wobei noch Drittelabstufungen mit + und - benutzt werden. Eine geübter Hobby-Sportkletterer kommt etwa in den siebten Schwierigkeitsgrad. Ein paar Meter hoch in einem „Dreier“ sollten für fast jeden Menschen möglich sein. Die wenigen Zehner-Routen in Rosmart werden nur ganz wenige Sportler durchsteigen. Weltklasse-Athleten bewegen sich aktuell an der XI+. Darüberhinaus werden Kletterschwierigkeiten nicht mehr definiert.

Partnercheck ist lebenswichtig

Klettern ist vom Prinzip her eine gefährliche Sportart. Werden Fehler beim Sichern gemacht oder wird die Ausrüstung fehlerhaft bedient, kann der Kletterer beim ungebremsten Bodensturz aus 16 Metern Höhe bis zur Todesfolge verletzt werden. Der Deutsche Alpenverein stellt immer wieder Untersuchungen von Kletterunfällen in deutschen Kletterhallen an, um typische Fehler aufzuzeigen und zu vermeiden. Beim boomenden Hallenklettern rückt schon mal das Bewusstsein in den Hintergrund, dass Klettern eine Risikosportart ist. Wer möglichst risikoarm klettern will, sollte sich unbedingt vorher mit seiner Ausrüstung wie Anseilgurt und Seil sowie Sicherungsgeräten und deren Handhabung unterrichten lassen. Für alle Sicherheitsausrüstung im Klettersport gibt es Normen, für Sicherungsmethoden eine so genannte Lehrmeinung. Unverzichtbar ist der Partnercheck: Vor jedem Losklettern kontrollieren sich die Partner gegenseitig.

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