Nach Übernahme von Möbel Sonneborn

Wer verbirgt sich hinter dem Konzern "XXXLutz"?

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Markenzeichen aller-Filialen – wie hier in Heilbronn – ist ein überdimensionaler roter Stuhl. Dieses Möbel wird also demnächst auch vor „XXXL Sonneborn“ zu sehen sein. XXXLutz

Lüdenscheid - Schon bald wird aus dem Lüdenscheider Möbelhaus Sonneborn und seinen Ablegern in Iserlohn, Freudenberg, Kreuztal und Meinerzhagen „XXXLutz“. Das österreichische Unternehmen hat die Sonneborn-Gruppe bekanntlich zu 100 Prozent gekauft. Doch wer verbirgt sich hinter XXXLutz? Was ist über den Möbel-Multi bekannt? Eine Übersicht:

Von Willy Finke

Zunächst einmal: XXXLutz (oder XXXL) ist familiengeführt. Gegründet wurde „Möbel Lutz“ laut „Oberösterreichischen Nachrichten“ (OÖN) und der Internet-Plattform Wikipedia im Jahr 1945 von den Eltern der heutigen Eigentümer, Rechtsanwalt Richard Seifert und seiner Frau Gertrude (geborene Lutz), in Haag am Hausruck.

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Sie begannen demnach mit Handwerkskunst. Unter anderem seien Bauernmöbel bemalt und Hotels wie das Weiße Rössl ausgestattet worden. Erst später sei XXXLutz nach Wels übergesiedelt, wo sich auch heute noch der Hauptsitz des Unternehmens – die XXXLutz KG – befindet und von wo aus auch die Auslandstöchter gesteuert werden.

Heute stehen an der Spitze des Unternehmens Dr. Richard und Dr. Andreas Seifert (zu je 50 Prozent Eigentümer) sowie Konzernsprecher Thomas Saliger.

Die Besitzer, heißt es in den OÖN vom 13. Januar 2015, hielten sich seit langem im Hintergrund – spätestens, seit Co-Geschäftsführer und Miteigentümer Hans Jörg Schelling, der heutige österreichische Finanzminister, das Unternehmen im Jahr 2009 wieder verlassen und damals seine Anteile an die Familie Seifert zurückverkauft habe. Thomas Saliger kommuniziere das, „was die Familie Seifert weitgehend abgeschirmt von der Öffentlichkeit durchzieht“.

Trotz der Größe der Gruppe, heißt es in den OÖN, wüssten die Seifert-Brüder über viele Details Bescheid. Ohne sie gehe gar nichts. Das Geheimnis ihres Erfolges sei, dass jedes Möbelhaus für sich profitabel sein müsse und sich aus den großen Einheiten ein profitables Ganzes ergebe.

„Neueste Zukäufe aus Cashflow finanziert“

Die neuesten Zukäufe (neben Sonneborn auch Möbel Zurbrüggen) seien, heißt es in den OÖN weiter, für die Expansion in Deutschland „nur ein Zwischenschritt“. Man habe sie aus dem Cashflow (Anmerkung der Redaktion: dem Nettozufluss liquider Mittel) finanzieren können, wird Konzernsprecher Saliger in den OÖN zitiert.

Mit dem Ausstieg aus der großen deutschen Einkaufsgemeinschaft Begros und der Gründung der eigenen Giga-X nehme sich XXXLutz offenbar noch einige Zukäufe vor. Derzeit erreiche die Gruppe mit mehr als 20.000 Mitarbeitern und inklusive der neuen Häuser 3,3 Milliarden Euro Jahresumsatz.

XXXLutz selbst bezeichnet sich als – nach Ikea – zweitgrößter Möbelhändler Europas. Derzeit betreibt man laut Firmen-Homepage – die aktuellen Zukäufe noch nicht eingerechnet – 194 Einrichtungshäuser in Österreich, Deutschland, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Schweden, Slowenien, Kroatien und Serbien.

Ein expandierendes Unternehmen mit hohen Umsätzen also. Was aber hat die Stadt Lüdenscheid von XXXLutz als Gewerbesteuerzahler zu erwarten?

Hier kann zunächst einmal nur spekuliert werden. Das „Wirtschaftsblatt online“ berichtete am 11. Februar 2014, das Unternehmen setze, wie viele andere Konzerne, auf eine „Malta-Konstruktion“. Bei Lutz halte eine auf der Mittelmeerinsel ansässige Gesellschaft Lizenzrechte im Wert von 341 Millionen Euro.

Diese Lizenzen zahlen die einzelnen Möbelhäuser an die „Mutter“ zum Beispiel für die Nutzung der Namensrechte oder gemeinsames Marketing. Es liegt auf der Hand, dass die Lizenzkosten vor Ort vom Gewinn abgezogen werden und somit die entsprechende Steuerlast schmälern.

Dem Wiener „Standard“ zufolge ist die Konzerngesellschaft XXXLutz Marken GmbH mit neun Mitarbeitern in Österreich und Malta registriert. Die Geschäftsführung sitze auf der Insel. Damit sei das Unternehmen in dem kleinen EU-Land steuerpflichtig. Theoretisch würden Gewinne dort mit 35 Prozent Körperschaftsteuer belastet, dank großzügiger Rückerstattung sinke der Satz allerdings auf fünf Prozent.

Großteil der Steuern wird auf Malta gezahlt

Dass der Großteil der Steuern nicht in Österreich bezahlt werde, sondern auf Malta, verteidigt Konzernsprecher Saliger laut OÖN. Diese Vorgehensweise sei legal, und man könne nicht die Unternehmen für den Steuerwettlauf der Staaten verantwortlich machen. Darüber hinaus müsse man sehen, dass man nicht schlechter fahre als Ikea.

Letztendlich laufen – ebenfalls laut OÖN – die Beteiligungsgesellschaften bei den Privatstiftungen der Firmenchefs Richard und Andreas Seifert zusammen.

Alles andere als ungetrübt ist im übrigen offenbar das Verhältnis zwischen dem österreichischen Konzern und den deutschen Gewerkschaften. Grundsätzlich, ist bei „Wikipedia“ nachzulesen, werde bemängelt, dass das Unternehmensgeflecht aus einem Netz von Gesellschaften bestehe, in dem einerseits die „Personalitäten“ ausgelagert und andererseits die Gewinne zentralisiert würden. Im Detail gehe es um Behinderung von Betriebsräten sowie Überschreiten von Arbeitszeiten und Einschüchterung von Mitarbeitern

Nach einer Standortschließung im Oktober 2013 in München seien alle 160 Angestellten umgehend freigestellt worden, der abschließende Räumungsverkauf bis 30. November 2013 sei mit Mitarbeitern aus anderen Filialen abgewickelt worden. Bis August 2014 seien kein Sozialplan vereinbart und keine Abfindungen für die Entlassenen gezahlt worden.

„Die Presse“ (Wien) berichtet, im Jahr 2009 habe Frank Bsirske, Chef der deutschen Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, von einem „menschenverachtenden Umgang mit Mitarbeitern“ bei der bayerischen Lutz-Tochter Hiendl gesprochen. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitierte am 13. Mai 2013 Dirk Nagel, Verdi-Sekretär in Niederbayern: „Was ich bei der XXXLutz-Gruppe gegenüber Mitarbeitern erlebe, ist brutal“. Die Arbeit des Betriebsrats werde behindert, die Bezahlung sei teilweise auf Dumping-Niveau.

Das „Manager Magazin“ schließlich zählt XXXLutz in seiner Ausgabe vom 20. November 2014 zu „Deutschlands härtesten Arbeitgebern“. Die „grandiosen Zahlen“ würden „mit bedingungsloser Härte erkauft“. Das Personal sei fast vollständig in Servicefirmen ausgelagert. Deren einziger Kunde sei meist eine andere Servicegesellschaft.

„Hätten Unterstützung und Lob verdient“

Dr. Richard Seifert wehrte sich bereits im Jahr 2009 in einem offenen Brief an die Zeitschrift „möbel kultur“ gegen derartige Vorwürfe, die ausschließlich zugekaufte Häuser beträfen: „Viele neue Arbeitsplätze und Lehrstellen für Auszubildende wurden geschaffen. Wir nehmen für uns in Anspruch, Gewaltiges zur Sicherung der Betriebe und der Arbeitsplätze geleistet und dafür tief in die Geldtasche gegriffen zu haben. Unter normalen Umständen hätten wir Lob und Unterstützung von der Gewerkschaft Verdi verdient.“

Dr. Seifert geht schließlich auf eine langwierige Auseinandersetzung im bayerischen Landshut ein: „Wenn es Verdi und ihrem so aktiven Funktionär in Landshut weiter gelingt, den eingeschlagenen Weg mit Unterstützung mancher Medien fortzusetzen, dann ist das Ende dieses Weges klar: Die Wiederauferstehung des Kommunismus.“

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