Prozess wegen Rechtsbeugung

Richterin aus Lüdenscheid unter Anklage: „Im Namen des Volkes“ aus anderer Perspektive

Gerichtsakten im Regal
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Unbearbeitete, verborgene oder gefälschte Gerichtsakten stehen im Fokus der Hagener Richter.

Zahlreiche Urteile hat die Amtsrichterin in ihrer Laufbahn „Im Namen des Volkes“ gefällt, verkündet – und meistens auch fristgerecht schriftlich niedergelegt. In 14 Fällen aber eben nicht. Nun sitzt die 37-Jährige im Gerichtssaal auf der anderen Seite und hofft, dass der aufsehenerregende Prozess gegen sie „Im Namen des Volkes“ glimpflich endet.

Lüdenscheid - Die Angeklagte ist an ihrem bisherigen Arbeitsplatz bekannt für einen Umgangston, den Kollegen schon als „fröhlich-forsch“ oder „sehr selbstbewusst“ bezeichnet haben. Angeklagte in Strafverfahren haben die Juristin mitunter als durchaus resolut erleben müssen. Inwieweit ihr Auftreten nur eine Fassade war, hinter der sich eine verunsicherte und labile junge Frau verbirgt, soll das Verfahren vor der 6. großen Strafkammer offenlegen.

Über ihre Berufsauffassung sagte die Angeklagte auf die Frage des Vorsitzenden Richter Christian Potthast am Dienstag wörtlich: „Grundsätzlich bin ich ein Richter, der einen hohen Anspruch hat.“ Gleichwohl stellte Rechtsanwalt Martin Cordt von der Kanzlei „Altrogge+“ bereits Anfang März dieses Jahres, kurz nach Einleitung des Ermittlungsverfahrens durch die Bochumer Staatsanwaltschaft, fest: „Meine Mandantin leidet an den Symptomen einer psychischen Erkrankung.“

Martin Cordt vertritt die Richterin inzwischen nicht mehr. Auch der Werdohler Rechtsanwalt Carsten Hoffmann ist sein Mandat einen Tag vor Prozessbeginn überraschend losgeworden. Objektive Erkenntnisse darüber, ob Cordts Einschätzung einer psychischen Krankheit der Richterin korrekt ist, liegen der Kammer noch nicht vor.

Der Hagener Psychiater und Gutachter Dr. Nikolaus Grünherz sitzt der 37-Jährigen im Gerichtssaal gegenüber und fragt sie: „Würden Sie denn zu einer Exploration zu mir kommen?“ Fünf Jahre nach den ersten Fällen der Rechtsbeugung und sieben Monate nach Start des Ermittlungsverfahrens antwortet die Angeklagte: „Ja, das haben wir zeitlich noch nicht auf die Reihe bekommen.“

Doch seit einem Jahr besucht sie nach eigenen Worten wöchentlich einen Therapeuten, bezeichnet ihn als „Freudianer“ nach dem Psychoanalytiker Sigmund Freud und sagt zum Richter: „Ich wünschte, ich könnte Ihnen mein Unterbewusstsein erklären.“

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