Karneval und keine Trachten: Lutz Görner im Gespräch

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Lutz Görner und Nadia Singer kommen am Sonntag ins Kulturhaus.

Lüdenscheid - Heute Köln, morgen Aachen, übermorgen Lüdenscheid, das Ganze von Weimar aus. Hunderte Kilometer durch Deutschland. Am 1. Januar 2015 wird er 70 Jahre alt, der, den sie „die lyrische Stimme Deutschlands“ nennen.

Von Jutta Rudewig

Rezitator Lutz Görner machte Station in der Redaktion unserer Zeitung, gemeinsam mit seiner Frau Karin Kulmer und auf dem Weg in die Nähe von Gummersbach. Allerdings nicht zu einem Auftritt: „Wir schauen uns dort ein Haus an. Sie sind die erste, die’s erfährt: Wir ziehen her.“

Nein, mit fast 70 Jahren in der Sonne Mallorcas sitzen, da sei nichts für ihn: „Ich empfinde das nicht als Stress, zu Auftritten zu fahren. “ Und doch zieht’s den Ehemann, Vater von vier Kinder und Frisch-Großvater von Weimar nach Nordrhein-Westfalen. Denn der Prophet gilt wenig im eigenen (Bundes)Land Thüringen. Die Auftrittsorte liegen überwiegend in NRW: „Das ist hier eine andere Mischung an Menschen. Hier gibt’s Karneval und keine Trachten.“ Gemeinsam mit der jungen russischen Pianistin Nadia Singer kommt Görner am Sonntag wieder in die Bergstadt. Im Gepäck hat er den Altmeister Beethoven, natürlich nur sinnbildlich. Sein Leben und seine Musik wird das Duo ab 18 Uhr auf der Bühne des Kulturhauses vorstellen – die eine musikalisch, der andere verbal. 38 Jahre lang habe er Gedichte gemacht: „Alles, was ich vortragen wollte, habe ich gemacht. Und auf Wiederholungen habe ich keine Lust.“ Also wandte sich der Rezitator der Musik zu, dem Komponisten Franz Liszt und quasi allen, die sich um ihn bewegten. „Sie müssen sich das so vorstellen: Ich sitze daheim an meinem Schreibtisch und lese all die Bücher über Komponisten und höre diese herrlich Musik.“ Daraus entwickelt sich am Ende das Programm, dessen Musikstücke er selbst aussucht. Dreh- und Angelpunkt ist Franz Liszt, um ihn herum entwickelte Görner in den letzten Jahren einen musikalisch-literarischen Kosmos, mit dessen Teilstücken er immer wieder Gast im Kulturhaus war: „Ich möchte, dass die Leute all meine Programme sehen, das ist dann der Kosmos Liszt und ein fantastischer Überblick.“ Pläne für die Zukunft hat er auch schon. Heinrich Heine habe an Giacomo Meyerbeer, einem Weggefährten von Franz Liszt, wunderbare Briefe geschrieben. Genug Stoff für ein neues Programm – „dann hab ich schön etwas zu tun auf meine alten Tage“.

Die Kombination zwischen dem Klavierspiel und dem, was Lutz Görner dazu erzählt, gefällt dem Rezitator, schafft sie ihm doch Luft auf der Bühne: „Ich lese vieles ab, Nadia spielt dazu. Das ist eben ein Klavierabend.“ Nadia Singer interpretiert die Sonate As-Dur, op 26, 3. Satz, die Sonate As-Dur, op. 110, 2. Satz, das Rondo C-Dur, die Sonate C-Dur, op 53, 3. Satz (Waldsteinsonate), aus der Sonate F-Dur, op. 10, nr. 2, 3. Satz , aus der Sonate cis-moll, op. 27, nr. 2 (Mondscheinsonate), Adelaide (Klavierfassung von Franz Liszt), die Sonate B-Dur, op. 106, 2. Satz (Hammerklaviersonate), die Sonate c-moll, op. 13, 2. Satz (Pathétique) und die Sonate f-moll, op. 57, (Appassionata). „Mit acht Jahren ist sie mit ihrer Schwester für ihre weitere Ausbildung nach Rostock am Don gegangen. Ganz allein, das müssen Sie sich mal vorstellen“, ist Görner mehr als glücklich über die Begegnung mit Nadia Singer: „Sie ist sehr lebensfroh!“

Freitag Köln, Samstag Aachen, Sonntag Lüdenscheid – und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht: „Das ist eine wunderschöne Beschäftigung. Ich lerne etwas, was ich sonst nie lernen würde.“

Wer mit ihm lernen möchte: Es gibt für den Auftritt des Rezitators am Sonntag ab 18 Uhr im Kulturhaus noch Eintrittskarten. Sie kosten für Abonnenten 15 bzw. 16 Euro plus Vorverkaufsgebühr, für Nicht-Abonnenten 24 Euro plus Gebühr.

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