Revolutionäre mit der „Wut von 40 Jahren“

Hussam Afifi (winkend) und Tarek Afifi (rechts daneben) beim Bad in der freiheitsliebenden Menge auf dem Tahrir-Platz (Freiheits-Platz) in Kairo. Jeden Freitag finden dort weiterhin Demonstrationen statt.

LÜDENSCHEID ▪ Drei Monate nach der Revolution in Ägypten hat Hussam Afifi nach einer Reise nach Kairo ein weitgehend positives Urteil über die Entwicklung im Land der Pyramiden gefällt: „Fast alle Wünsche der Revolutionäre sind erfüllt“, sagte er im Gespräch mit den LN – außer jenen, deren Umsetzung Zeit in Anspruch nehme.

Allerdings seien auch die Erwartungen der Ägypter sehr hoch: „Es können nicht alle Wünsche von heute auf morgen erfüllt werden.“ Ein wichtiger Grundsatz des Rechtsstaates sei aber schon gut vorangekommen, macht Afifi mit einer symbolträchtigen Anekdote deutlich: So habe der derzeitige ägyptische Ministerpräsident Essam Sharaf nicht interveniert, als sein Sohn wegen Parkens im Halteverbot eine Geldstrafe bezahlen sollte. „Die Gesetze gelten für alle – von unten bis ganz oben.“

Nach wie vor gebe es Gegner der Revolution, berichtet Afifi: Rechtsradikale, mehrere hundert Radikale aus dem Iran und Funktionäre des alten Regimes. Viele von Ihnen seien aber mittlerweile in Haft – so wie auch der abgesetzte Staatschef Husni Mubarak, dessen Vernehmungen von ärztlichem Beistand begleitet würden: „Er hat Schweinereien gemacht, aber er ist ein Mensch“, urteilt Hussam Afifi. „Mubarak war nicht schlecht. Der Teufel war aber noch stärker als er und hat ihm eine Falle gestellt.“ Mubarak habe am Ende keine Ahnung mehr gehabt, was im Lande los war. „Helfer sowie seine Frau und sein Sohn haben im Hintergrund regiert.“ Erhebliche Finanzmittel aus dem Ausland seien auf private Konten geleitet worden.

Zusammen mit seinem Sohn Tarek besuchte Afifi eine der regelmäßigen Freitagsdemonstrationen auf dem inzwischen legendären Tahrir- (Freiheits-) Platz in Kairo. Besondere Sicherheitskontrollen sorgen dort für die Sicherheit der Besucher des ägyptischen Nationalmuseums. Gleich neben den Relikten aus der Vergangenheit steht die riesige ausgebrannte Ruine der Zentrale der „Mubarak“-Partei. Die Wut von 30 bis 40 Jahren Unterdrückung habe sich in der Revolution entladen, sagt Hussam Afifi. ▪ thk

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare