Hilfsaktion "Alles. Und Butter"

Retter in Corona-Not! Helfer verteilen Care-Pakete für 1.700 Lüdenscheider

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Ehrenamtliche der Tafel, der Hardcore Help Foundation und von Willi&Söhne packten am Dienstag die Pakete.

Lüdenscheid – Im Rahmen der Hilfsaktion „Alles. Und Butter“ versorgten Ehrenamtliche in den vergangenen Wochen 1.700 bedürftige Lüdenscheider mit Lebensmittel-Paketen.

Mit der Wiedereröffnung der Tafel am Montag ist die Mission von „Alles. Und Butter“ vorerst erfüllt: die Menschen zu unterstützen, die unter der Corona-Krise am meisten leiden. 

Rund 600 Lüdenscheider erhalten in normalen Zeiten Lebensmittel bei der Lüdenscheider Tafel. Als der Verein Mitte März wegen der Ansteckungsgefahr die Ausgabestelle an der Altenaer Straße schließen musste, brach für die Tafel-Kunden von jetzt auf gleich die zuverlässige Essens-Versorgung weg. 

Die Aktion wurde praktisch über Nacht geboren.

Um die Lücke zu schließen, riefen der Verein Willi&Söhne, Glücksbringer e.V. und die Lüdenscheider Tafel am 19. März die Hilfsaktion „Alles. Und Butter“ ins Leben. Die Idee: Ehrenamtliche Helfer liefern in Not geratenen Lüdenscheidern kostenlose Lebensmittel-Pakete nach Hause. 

Die Hilfe erfolgte schnell und unbürokratisch. Sie richtete sich nicht nur an Tafel-Kunden. Um die Versorgung mit Waren zu sichern, wurde über die Lüdenscheider Nachrichten und bei Facebook zu Geld- und Sachspenden aufgerufen. Getreu dem Motto „Lüdenscheider helfen Lüdenscheidern“ spendeten mehr als 1.000 Privatpersonen, Firmen, Institutionen und Vereine für den guten Zweck. 

Die Organisatoren waren überwältigt. „Wir sind nach wie vor sprachlos, wie viele Lüdenscheider uns bei dieser Aktion unterstützt haben. Ihnen gebührt ein riesiges Dankeschön“, sagt Glücksbringer-Vorsitzender Jan Schmitz. 

Binnen weniger Tage gelang es, rund 70 Ehrenamtliche zu mobilisieren. Neben der Tafel um ihren Vorsitzenden Peter Koopmann und dem Verein „Willi&Söhne“ um Matthias Czech und Koordinator Dennis Lewandowski stellten sich auch die Mitarbeiter der „Hardcore Help Foundation“ mit vollem Einsatz in den Dienst der guten Sache. 

Nachdem Ronja Eick, Inhaberin von Szenario Fashion an der Corneliusstraße 1 (im Bild mit Ingo Vogler), bei einer Auslieferungstour dabei war, spendete sie 500 Euro für „Alles. Und Butter“: „Die Erlebnisse haben mir gezeigt, wie gut es uns eigentlich geht“, sagt Eick. In der Corona-Krise verkauft sie Sweatshirts und T-Shirts mit „Abstand!“-Aufdruck. Rund 20 Prozent des Verkaufspreises gehen an die Hilfsaktion.

Die erste Lieferung an die Bedürftigen erfolgte nur wenige Tage später am 24. März – 170 Pakete für rund 400 Menschen wurden verteilt. Schon zu diesem Zeitpunkt gestaltete sich die Lebensmittelbeschaffung schwierig – da Grundnahrungsmittel wie Milch und Mehl und teilweise auch Obst zu Beginn des Corona-Shutdowns kaum in größeren Mengen zu bekommen waren. 

Mit viel Geschick und guten Kontakten gelang es den Organisatoren dennoch ein attraktives Lebensmittel-Paket zu schnüren. Das aber war erst der Anfang. Eine Woche später galt es bereits 350 Kisten zu packen, nach Ostern wurden wöchentlich 1.700 Lüdenscheider mit den Care-Paketen zu Hause versorgt.

Eine immense logistische Herausforderung, die die Ehrenamtlichen in perfekter Teamarbeit bewältigten. Nach Berechnungen der Tafel wurden bei den sechs Auslieferungen mehr als 50 Tonnen Lebensmittel an Bedürftige in Lüdenscheid verteilt. 

Darunter waren unter anderem:

5 Tonnen Kartoffeln 

1,3 Tonnen Äpfel 

1,5 Tonnen Brot

1.500 Liter H-Milch 

525 Kilogramm Butter 

Auch wenn es einige Spenden von Gastronomen und Händlern gab, mussten die „Alles. Und Butter“-Organisatoren die meisten Waren im Großhandel zukaufen. Insgesamt wurden für die Aktion „Alles. Und Butter“ mehrere zehntausend Euro für Lebensmittel, Bedarfsartikel und Kartons ausgegeben. 

Vorläufiger Abschluss: Nach sechs Lebensmittel-Lieferungen im Rahmen der Hilfsaktion öffnet am Montag wieder die Tafel.

Ein Teil des verbleibenden Spendengeldes geht nun an die Lüdenscheider Tafel, um den erwarteten Ansturm nach der Öffnung im Mai bewältigen zu können. „Wir haben durch die Aktion Menschen kennengelernt, die wirklich auf die Lieferungen angewiesen waren, die wir aber über die Tafel niemals erreicht hätten. Wir erwarten nach dem Ende der Aktion nun einen Anstieg sowohl bei den Tafelbesuchern als auch bei den benötigten Lebensmitteln“, sagte Tafel-Vorsitzender Peter Koopmann. 

Im letzten „Alles. Und Butter“-Paket, das Ende April ausgeliefert wurde, informierte die Tafel daher mit einem Flyer über ihr Angebot und die Anmeldemodalitäten für Neu-Kunden. Koopmann zeigte sich mit der Hilfsaktion „sehr, sehr zufrieden“: „Die Mitarbeiter waren mit Begeisterung dabei. Es war viel Arbeit, aber es hat auch unheimlich viel Freude gemacht.“ 

Matthias Czech von Willi&Söhne ist dankbar für das, was die Lüdenscheider auf die Beine gestellt haben: „Sieben Wochen haben wir Tonnen an Lebensmitteln durch die Stadt bewegt und vielen Menschen ein Lachen ins Gesicht gezaubert. Obwohl der logistische Aufwand irrsinnig war, vermissen wir schon jetzt die gemeinsame Zeit mit der Tafel und den Helfern.“ 

Glücksbringer-Vorstand Schmitz betont, dass die Hilfsaktion „Alles. Und Butter“ nicht beendet ist, sondern in diesen unsicheren Zeiten nur ruht. „Auch wenn sich das niemand wünscht: Sollte sich die Corona-Situation in Lüdenscheid wieder verschärfen, haben wir vereinbart, die Aktion innerhalb kürzester Zeit wieder zu reaktivieren.“ 

Um bei einem erneuten Shutdown direkt wieder starten zu können, wird ein Teil der verbliebenen Spendengelder „für schlechte Zeiten“ zurückgelegt.

Reaktionen der Empfänger der Hilfspakete

Viele Bedürftige bedankten sich bei den Helfern für ihren Einsatz und die Lieferung der Lebensmittel-Pakete. Einige schrieben ein paar Dankeszeilen an die Organisatoren. Hier eine kleine (anonymisierte) Auswahl der Zuschriften: 

„Ganz herzlich möchte ich mich auch im Namen meines Mannes für die liebevoll gepackten abwechslungsreichen „Alles.Und Butter“-Pakete, die uns in den letzten schwierigen Wochen eine große Hilfe waren, bei Ihnen und den vielen fleißigen Helfern bedanken.“ 

„Hallo Ihr Engel, habe in den letzten Wochen erlebt, wie nahe Gutes und Böses beieinander liegen…“ 

„Nochmals vielen Dank für diese tolle Möglichkeit und bleiben Sie allesamt gesund.“ 

„Hallo, liebe Retter, ich möchte mich erst einmal bedanken, das ich von euch beliefert wurde. Da ich Risikopatientin bin, habe ich mich darüber sehr gefreut. Das hat mir mit meiner kleinen Minirente sehr geholfen.“ 

„Erst einmal möchte ich Ihnen von ganzen Herzen danken für die tolle Aktion, die Sie auf die Beine gestellt haben. Sie haben mir und ich denke vielen anderen Mitbürgern durch diese schwere Zeit verholfen und dafür bin ich Ihnen unendlich dankbar!“

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