Reservistenverein schrammt knapp am Untergang vorbei

Haltung zeigen für die Reservisten: der neue Vereinsvorsitzende Hans Joachim Groppel (2.v.l.) sowie Sven Hermens, Fred Lövenich und Burkhard Siebert (v.l.) .

LÜDENSCHEID ▪ Das war knapp: Bei seiner jüngsten Jahreshauptversammlung schrammte der ohnehin angeschlagene heimische Reservistenverein nur um Haaresbreite an seinem endgültigen Aus vorbei. Grund für den Beinahe-Kollaps war die drohende Auflösung der Führungsebene der Vereinigung.

Denn Burkhard Siebert, langjähriger Vorsitzender des Vereins, mochte aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht mehr weitermachen. Das hatte er vor geraumer Zeit bereits angekündigt. Immerhin ist Siebert inzwischen 70 Jahre alt.

Dazu warf auch Vereinskassierer Mark Mentzel das Handtuch – wegen seiner beruflichen Einspannung.

Der bange Blick in die Runde zwecks Ermittlung geeigneter Nachfolger blieb zunächst ohne Reaktion. Wäre das so geblieben, hätten laut Siebert indes  triste Konsequenzen gedroht: Auflösung des Vereins und Aufgabe des Reservistenheims am Loher Wäldchen noch in diesem Frühjahr.

Doch schließlich rettete soldatische Disziplin den Verein vor dem Untergang. So erklärte sich Hans Joachim Groppel bereit, trotz beruflicher Belastung den Vorsitz zu übernehmen. Burkhard Siebert wird ihn begleitend ins Amt einarbeiten. Die Position des Schriftführers übernimmt Groppel ebenfalls. Gleichzeitig stellte sich Fred Lövenich als zweiter Vorsitzender zur Verfügung. Und den Posten des Kassierers besetzt künftig Sven Hermens.

Nach der Wahl zeigte sich Burkhard Siebert zwar erleichtert, gab jedoch keine generelle Entwarnung: „Damit sind wir um die größte Klippe herum. Wir befinden uns aber immer noch nicht in ruhigem Fahrwasser.“

Damit mag er richtig liegen. Denn der Kampf um die eigene Führung ist beileibe nicht das einzige Problem, das die Reservisten plagt. So haben Vermüllung und Vandalismus rund um ihr Heim am Loher Wäldchen den Ex-Soldaten auch im letzten Jahr wieder aufs Gemüt geschlagen. Außerdem zählt der Verein mit lediglich 20 Mitgliedern nicht eben zu den Branchenführern. Und einen Zustrom von Reservisten erwartet auch in Zukunft niemand.

Auch gelten die Veranstaltungen des Vereins als wenig beliebt. Ein nennenswerter Andrang bei den diversen Vereinstreffen? Fehlanzeige. Und der Versuch einer gemeinsamen Fahrt, so formulierte es Burkhard Siebert, „musste wegen des hohen Desinteresses bereits in der Planung beerdigt werden.“

Welcher Weg aber könnte künftig aus der Misere führen? Eine Idee zielt auf die Kooperation mit anderen militärischen Organisationen der Region ab. Eine andere dreht sich um die mögliche Umwandlung des Reservistenvereins in eine Art militärhistorischen Verein. Das könnte vielleicht auch Bürger ohne soldatischen Hintergrund anlocken.

Die Warnung allerdings gleich mehrerer Reservisten angesichts solcher Rettungsvorschläge: „Da müssen wir aufpassen, dass wir dann keine Leute von rechts kriegen.“ Soll heißen: Neonazis und artähnliche Zeitgenossen müssen draußen bleiben.

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