Renaturierung des Gewässers in Lüdenscheid

Neues Gesicht für den Elspe-Bach

Das Bild des Elspe-Baches in Lüdenscheid hat sich deutlich verändert.
+
Das Bild des Elspe-Baches hat sich deutlich verändert.

Berge voller Erde und Geröll, schwere Baufahrzeuge, markierte Bäume: An der Talstraße verändert sich das Erscheinungsbild der Elspe zusehends.

Lüdenscheid - Berge voller Erde und Geröll, schwere Baufahrzeuge, markierte Bäume und farbig besprühte Holzpflöcke: Vor einem Monat hat die Renaturierung des Elspe-Baches begonnen – und sie verändert das Bild entlang der Talstraße erheblich. Denn: Auf zwei Teilabschnitten mit einer Länge von 250 beziehungsweise 180 Metern (Luftlinie) erhält die Elspe einen neuen, natürlicheren und verlängerten Verlauf – als Anpassung an die Klimafolgen.

Reaktion auf verändert Klimabedingungen

Denn nur bei der oberflächlichen Betrachtung fließe die Elspe noch problemlos, weiß Hans Jürgen Badziura, Leiter des Fachdienstes Umwelt und Freiraum, und verweist auf die Hochwassergefahr, da die Elspe viele Teile des Stadtgebiets mit versiegelten Flächen entwässere.

Renaturierung: ein neues Gesicht für den Elspebach

Renaturierung: ein neues Gesicht für den Elspebach

„Früher wurden die Gewässer mit Hilfe eines Trapez-Profils begradigt, damit das Wasser möglichst schnell abfließen kann. Doch aus den Hochwasser-Ereignissen der Vergangenheit hat man gelernt – und umgedacht“, verweist er auf eine veränderte Wassergesetzgebung. Und diese sehe nicht nur vor, die ökologische Qualität des Wassers zu verbessern, sondern auch auf die veränderten Klimabedingungen mit Starkregen, Hoch-, aber auch Niedrigwasser zu reagieren.

Damit die Elspe bei derzeit nicht zu kalkulierenden Stark-Regen-Situationen mehr Wasser aufnehmen kann, wird derzeit ein neues Flussbett angelegt – und zwar in Schlingen. „Der Verlauf wird dadurch länger und das Wasser ausgebremst“, erläutert Hans-Joachim Berger vom gleichnamigen Planungsbüro aus Bad Sassendorf, der sich begeistert zeigte über die Bedingungen vor Ort.

„Das ist wie ein Sechser im Lotto“, verweist er unter anderem auf den Baumbestand, der weiter genutzt werden könne, oder die Möglichkeit, eine sogenannte Ur-Aue wiederherzustellen, die im Falle eines Hochwassers „vernässt“ wird.

Raue Rampen ersetzen die Wehre

In den vergangenen Wochen ging es jedoch zunächst einmal darum, die Elspe über einen alten Obergraben umzuleiten und anschließend den Steinverbau aus dem bisherigen Flussbett herauszuholen. Seitdem bewegen schwere Fahrzeuge der Firma Gebrüder Schmidt – aufgrund des sensiblen Gewässerbereichs mit Bio-Öl ausgestattet – das Erdreich, um den neuen Verlauf der Elspe anzulegen und dabei auch die Höhen des Geländes anzugleichen.

Und das ist nicht zuletzt auch für das Öko-System von Bedeutung: „Bislang hatten wir im Verlauf der Elspe zwei Wehre. Die sorgten jedoch dafür, dass die Fische daran gehindert wurden, flussaufwärts zu schwimmen“, erläutert Badziura. Das soll sich mit der Entfernung der Wehre und dem neuen, natürlichen Flussverlauf nun ändern. „Wir stellen die Durchgängigkeit für die Fische wieder her“, erklärt der Fachdienstleiter die Bedeutung der Tiere für das Ökosystem.

Diese waren im Vorfeld der Maßnahme übrigens – wie schon beim Brückenbau über die Volme in Brügge – mit Hilfe von Strom betäubt und dann an anderer Stelle ausgesetzt worden. Wenn sie nach Fertigstellung der Maßnahme zurückkehren, werden sie ein völlig neues Flussbett mit Vertiefungen und Kiesbänken sowie Störsteinen mit Verstecken wiederfinden.

Nadelöhr muss unverändert bleiben

Während das Gelände sowohl im oberen (aus der Stadt kommend vor der Einfahrt „Am Stülberg“) als auch im unteren Bereich so beschaffen ist, dass es den neuen Verlauf samt Anlegung einer Ersatzaue möglich macht, so gibt es zwischendrin ein Nadelöhr, das unangetastet bleiben muss: „Im Bereich der Bebauung bleibt der Elspe-Bach so, wie er ist“, erläutert Berger.

Er freut sich besonders darüber, dass zahlreiche Bäume aus dem Bestand versetzt werden können. Und: Meterhohe Erlen wurden „gekappt“ und ihre Stümpfe in Flussnähe wieder eingepflanzt. „Da hoffen wir, dass sie im Frühjahr wieder ausschlagen.“

Spätestens in einem Jahr soll von dem Eingriff in die Natur – eine Maßnahme, die rund 290 000 Euro kosten und zu 90 Prozent vom Land NRW gefördert wird – nichts mehr zu sehen sein. Hans Jürgen Badziura: „Dann soll es hier wieder aussehen, als wäre nie etwas anders gewesen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare