Reliquien und erleuchtete Lüdenscheider

Diverse Reliquien buddhistischer Meister gab es zu bestaunen.

Lüdenscheid - Ein goldener Buddha in der Mitte eines großen Altars, ihm zu Füßen ein kleiner Buddha im Baby-Bad, fünf transparente Reliquienschreine mit den Überbleibseln bedeutender Lehrer: Religiöse Botschaften und Gegenstände aus einer ganz anderen Welt erreichten am Wochenende das Kulturhaus.

Zu Gast war eine Sammlung von heiligen Reliquien Buddhas und anderer buddhistischer Meister aus dem Besitz des Lama Zopa Rinpoche, des spirituellen Begründers einer Tour, die seit 2001 bereits in 65 Ländern unterwegs war.

„Der Lama hat entschieden, dass diese Reliquien reisen müssen, um die Botschaft von Liebe und Frieden zu verbreiten“, erklärt Linda Gibson, die lange Jahre in Lüdenscheid lebte. Auf ihre Einladung kam die „Maitreya- Herzschrein-Reliquien-Tournee“ ins Kulturhaus. Im Gespräch erklärte sie, wie es dazu kam: Sie erlebte die Tour in London, wo in ihr ein starkes Bedürfnis erwacht sei, die Reliquien auch nach Lüdenscheid einzuladen. Da die von zwei Managerinnen begleitete Tour auf Gastgeber angewiesen ist, die sich um Unterkünfte und Räume kümmern, gab es in Lüdenscheid relativ gute Voraussetzungen: „Es gibt in Deutschland erst sechs initiierte Schüler, die alle vom gleichen Meister in die Lehre eingeführt wurden“, erklärt Linda Gibson. „Sie sind alle in Lüdenscheid und Umgebung.“

Wie andere Erleuchtete trägt Linda Gibson die rote Robe der Mitglieder der „Sangha“, der Gemeinschaft buddhistischer Gläubiger in der Tradition des Hanmi-Buddhismus, einer tibetisch-chinesischen Spielart dieses Bekenntnisses. Eine gelbe Weste zeichnet Linda Gibson zudem als „Vajra Acharya“, als initiierte Lehrerin der Glaubenshaltung aus, die im 8. Jahrhundert entstand. Seitdem sei die Lehre immer direkt von den Lehrern an die Schüler weitergegeben worden, erklärt Linda Gibson und betont den offenen Charakter des Bekenntnisses, das sich an jeden richte. „Es gibt aber immer noch Lehren, die nicht öffentlich zugänglich sind.“ Die Welttour richte sich aber an alle: „Man muss kein Buddhist sein, um von der Wirkung der Reliquien berührt zu werden“ – ein Optimismus, der Menschen aus christlicher Tradition nicht fremd ist.

Der Glaube an die Wirksamkeit von Reliquien ist hierzulande allerdings sehr verblasst. So war es für europäische Betrachter ein wenig ungewohnt, dass dieses Tournee-Projekt ungebrochen die „kraftvolle, liebende Energie“ von Reliquien pries, die über tausende Jahre hinweg der Kremationsasche buddhistischer Meister entnommen wurden. Dazu kamen weitere Körperrelikte wie Haare oder Zähne und besondere Dinge aus dem Besitz der großen Meister.

Neben Eingeweihten und weiteren Interessierten besuchte Bürgermeister Dieter Dzewas den Altar und betonte in seinem Grußwort die große Bedeutung von religiöser und kultureller Toleranz in einer Stadt, in der Menschen aus 100 Nationen leben. - thk

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