Reisender Einbrecher bestraft

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Lüdenscheid - „Wir sind nach Deutschland gekommen, um zu arbeiten“, übersetzt die Dolmetscherin. Aber ohne Sprachkenntnisse, ohne Ausbildung und noch dazu als Analphabet ist Deutschland auch für einen Rumänen nicht das Paradies. Also schloss sich der 29-Jährige lieber seinen Landsleuten an, die als reisende Einbrecher von Duisburg aus ins Sauerland einfallen. Dafür wird er jetzt zweieinhalb Jahre eingesperrt.

Von Olaf Moos

Eingeschüchtert wirkt der Familienvater, kleinlaut lässt er seine Verteidigerin, Rechtsanwältin Petra von Irmer aus Dortmund, für sich sprechen. Sie sagt, er sei nur der Fahrer gewesen und habe nichts entwendet. Der Vorsitzende des Erweiterten Schöffengerichtes, Jürgen Leichter, will wissen: „Hat er was bekommen dafür oder macht er das freiwillig, so in der Nacht herumzufahren?“ Die Verteidigerin: „Ab jetzt werden keine Fragen mehr beantwortet.“

Stattdessen beantworten Polizisten Fragen – und bereits verurteilte Rumänen. Und die Buchhalterin einer kleinen Firma, Gießerei und Formenbau.

Hier verlud die Bande am 12. Januar 2013 in schweißtreibender Nachtarbeit vier Tonnen Messing-, Bronze-, Kupfer- und Zinnteile in einen alten Ford Transit mit britischem Kennzeichen, Rechtssteuerung. Werkzeuge und Werkstücke, die für den Betrieb einen Wert von fast 300 000 Euro bedeuten. Und die auf dem Metallmarkt allenfalls 20 000 Euro bringen.

Bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle an der Autobahnauffahrt fliegt der Transport auf. Der Transit-Fahrer springt aus dem überladenen Wagen und rennt davon. Drei weitere Männer in einem Audi A6 dahinter werden überprüft. Zeitgleich kommt über Polizeifunk die Meldung über den Firmeneinbruch. Ein schöner Zufall für die Ermittler.

Gar kein Zufall ist der Fortgang des Verfahrens. Der mutmaßliche Rädelsführer, Hauptprofiteur und Organisator der Einbrüche erreicht eine Verfahrensabsprache mit dem Gericht. Er kommt in ein Zeugenschutzprogramm und packt aus, nennt Namen, tritt als Hauptbelastungszeuge gegen seine Ex-Kollegen auf und beschert der Justiz Erfolge. Sechs großformatige und hartgesichtige SEK-Beamte beschützen ihn auch im Saal 125 des Amtsgerichtes vor der Rache der Rumänen. Er belastet auch den 29-Jährigen schwer.

Für Staatsanwalt Axel Noelle spielt es keine Rolle, ob der Angeklagte „nur“ der Chauffeur war oder beim Einladen geholfen hat. Das Gericht folgt seiner Einschätzung. Der Angeklagte habe gewusst, um was es geht – und profitieren wollen. Es gehe um Mittäterschaft, nicht um Beihilfe, so Leichter. „Die Banden haben Bevölkerung und Firmeninhaber aufgeschreckt.“ Die Strafen müssten deutlich machen, „dass dem Einhalt zu gebieten ist“.

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