Reisen mit Dinosauriern: „Dino XXL Expo“ auf dem Loh

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Schausteller Mario Sperlich hofft für heute und morgen auf viele interessierte Zuschauer.

Lüdenscheid - Der Magdeburger Schausteller Mario Sperlich (52) und seine Mitarbeiter gastieren am Samstag und am Sonntag mit ihrer "Dino XXL Expo" auf dem Schützenplatz Loh.

Sie kommen gerade von Gummersbach. Am Montag geht’s 120 Kilometer hoch nach Wesel. Und dann 80 Kilometer wieder Richtung Süden bis Solingen. Der Schausteller Mario Sperlich (52) und seine acht Beschäftigten transportieren mehr als 50 Tiermodelle aus Trias, Jura und Kreidezeit per Sattelschlepper kreuz und quer durchs Land. Ihre „Dino XXL Expo“ gastiert am Samstag und Sonntag auf dem Schützenplatz Loh.

Die Nachbildungen der bekanntesten Dinosaurier sind Unikate. Sperlich hat sie in den USA und Japan herstellen lassen. „Die Produktion in Deutschland ist unbezahlbar.“ Auf wissenschaftlicher Grundlage, sagt der Familienvater, sind die Dinos originalgetreu in Größe und Proportion gebaut. „Nur bei den Farben weiß niemand genau Bescheid.“ Kleine Infotafeln neben den Exponaten klären über die wichtigsten Daten der Urzeit-Tiere auf.

Schaustellerei - ein riskantes Geschäft

Der Zuspruch auf die Ausstellung war vor zehn Jahren größer. Obwohl Filme wie „Jurassic Parc“ eine wahre Dino-Welle auslösten, merkte Mario Sperlich davon nicht viel. „Wir haben unsere Schau deshalb stark verkleinert.“ Zu viele Unwägbarkeiten machen die Schaustellerei inzwischen zu einem riskanten Geschäft.

Das Team fährt mit zwölf Sattelaufliegern, die von vier Zugmaschinen von Ort zu Ort geschleppt werden. „Wir transportieren sozusagen portionsweise.“ Manchmal 200 Kilometer weit pendeln die Sattelschlepper durchs Land und holen das Material nach und nach an den neuen Ausstellungsort. Zu den Kosten für die Platzmiete sowie Wasser und Strom kommen also noch reichlich Ausgaben für Diesel.

Wildes Plakatieren wird in Lüdenscheid rigoros bestraft

Unberechenbar wirkt auch das Wetter auf das Geschäft mit den reisenden Dinosauriern. Sperlich: „Es darf nicht zu heiß sein, sonst gehen die Leute lieber ins Freibad.“ Und bei Regen komme sowieso kaum jemand. In der heißen Periode vor wenigen Wochen, erzählt er, habe er „richtig draufgezahlt“.

In Lüdenscheid auf dem Schützenplatz Loh sind die Prognosen günstiger. Um möglichst viel Publikum anzulocken, hängten Sperlichs Männer in der ganzen Stadt Plakate an die Zäune. „Wir leben und sterben mit Werbung.“ Gegen eine Strafzahlung von 300 Euro, sagt der Magdeburger, „durfte ich mir die Plakate wieder abholen“. Denn „wildes Plakatieren“ ist hier bekanntlich verboten. „So rigoros kenne ich das aus keiner anderen Stadt.“

Eine Idee aus den USA, mitgebracht von Sperlichs Großvater

Dafür haben die Dino-Schausteller nach Sperlichs Worten 30 000 Flyer in der Stadt verteilt, die den Besuchern einen Eintrittspreis von 6 Euro pro Nase sichern. Der Normalpreis ohne Ermäßigung liegt bei 7 Euro für Kinder und 8 Euro für Erwachsene. „Aber fast alle Zuschauer kommen mit dem Coupon zu unserer Kasse.“

Von einem Besuch in den USA hat Mario Sperlichs Opa die Idee mitgebracht, mit Dinos zu reisen. Inzwischen sind die Ur-Ur-Enkel des Gründers mit auf Tour. Marios ältester Enkelsohn ist schulpflichtig. Derzeit hat er Ferien. Danach besucht er eine Schule in Wesel. Und dann eine in Solingen. Und dann? „Mal sehen.“ 

Die „Dino XXL Expo“ auf dem Loh ist an beiden Tagen von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Kommentar zum Thema:

"Es ist oft erstaunlich, wie viel Wissen im Internet steckt – und gleichzeitig erschütternd, mit welchem Selbstbewusstsein sogenannte Trolle im Netz ihre Ahnungslosigkeit verbreiten. Am Beispiel der Dinosaurier-Ausstellung und der Resonanz im Internet zeigt sich, dass das Herausposaunen von Ignoranz und Halbwissen sogar gefährlich sein kann. Und zwar leider nicht für diejenigen, die Vermutung und Vorverurteilung für Information halten. Sondern für diejenigen, über die sie sich da äußern.

So durften wir etwa auf der weltweiten Plattform Facebook erfahren, dass jemand das Angebot des Schaustellers ablehnt, weil das ja sowieso nur reiner Kommerz sei. Er hat einerseits Recht: Die Dino-Schau ist kommerziell und nicht caritativ. Der Aussteller verdient nämlich Geld, damit er und seine Familie überleben können, damit er seine Arbeiter bezahlen kann und damit sich seine Investitionen in die Modelle und den Fahrzeugpark irgendwann auszahlen.

Andererseits ist das noch lange kein Grund, die geneigte Weltöffentlichkeit vor angeblichen gaunerischen Machenschaften zu warnen. Oder Menschen, die sich im sozialen Netzwerk mal über ein Angebot erkundigen möchten, mit überhöhten Eintrittspreisen oder voreiligem Nepp-Alarm abzuschrecken. A propos Eintrittspreise: Wer mit seinen Kindern in einer der Burger-Schmieden der Stadt mal eine Fast-Food-Schlacht geschlagen oder mit der ganzen Familie mal einen gemütlichen Kino-Nachmittag mit Cola und Popcorn bezahlt hat, für den sind ermäßigte 6 Euro Eintritt pro Nase sicherlich nicht unerschwinglich. Den Rest regelt die freie Marktwirtschaft. Man muss kein Dino-Freund sein. Man darf zu Hause bleiben. Man darf sich aber auch selbst ein Bild machen. Und erst dann urteilen." Von Olaf Moos

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