Reise in den Vorhof zur Hölle

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Glückliche Heimkehr aus der Wüste: Michael Wirth und Mahmoud Zaid mit dem handgeschriebenen Passierschein, der ihnen in den Flüchtlingslagern Tür und Tor öffnete. -

LÜDENSCHEID ▪ „Zeigt der Welt, was sie uns antun!“ Was verzweifelte Syrer in jordanischen Flüchtlingslagern den Lüdenscheidern Michael Wirth und Mahmoud Zaid nachriefen, wollen die beiden jetzt tun: über ihre Reise in einen Vorhof zur Hölle berichten, in Vorträgen, in Film-Dokumentationen, und eben auch in der Presse.

Konkret helfen wollen die beiden Lüdenscheider indes auch: Es gilt, in einem der Lager ein Zelt so auszustatten, dass traumatisierte Kinder und Jugendliche aus Syrien unterrichtet werden können. Gebraucht werden für das Rotary-Projekt 5000 Dollar.

Von Mitte bis Ende August hatten Michael Wirth und der aus Syrien stammende Deutsche Mahmoud Zaid die Lager Mavraq Za’atari und Al Ramtha in der jordanischen Provinz Irbid besucht. Dass Wirth als Leiter des Fachbereichs Migration im Diakonischen Werk gerade diese Orte aufsuchte, war kein Zufall: Er wollte wissen, ob die Hilfsgüter, die der Fachbereich im Juni in Lüdenscheid gesammelt und in einen Übersee-Container gepackt hatte, auch am Zielort ankamen. „Wir haben sie tatsächlich ausfindig gemacht – so gut organisiert und dokumentiert die Jordanian Hashemite Charity Organization die Hilfen für zehntausende Flüchtlinge“, kann Wirth berichten.

Vor Ort habe sich zudem herausgestellt, dass die Bergstädter in 500 Kisten und Säcken genau die richtigen Güter geschickt hatten: „Die Menschen brauchen vor allem Medikamente, Verbandmaterial, Gehhilfen und Rollstühle – all das war in unserer Lieferung dabei“, sagt Zaid.

Auch die typisch deutsche Kleidung ist in den Zeltlagern des Wüstenstaates bei den Flüchtlingen hoch willkommen: „Zwar steigen die Temperaturen in der Sonne tagsüber auf 50 Grad, aber nachts wird es bitterkalt“, berichtete Wirth. Und in den dünnen Zelten der UNHCR seien die syrischen Flüchtlinge den gnadenlosen äußeren Bedingungen schutzlos ausgesetzt.

Was die Lüdenscheider Gäste, die in Jordanien als Deutsche mit besonderer Hochachtung begrüßt wurden, jedoch am meisten mitnahm, waren nicht die Temperaturen: „Die Verzweiflung der Menschen, die in ihrer Heimat alles verloren haben, die uns ihre kleinen Kinder an die Scheiben des Jeeps hielten, die sogar noch in diesem Lager durch Grenzfeuer von Assads Truppen beschossen werden – so viel Leid auch in den Augen von Kindern habe ich 56 Lebensjahren noch nicht erlebt“, sagt Wirth. ▪ hgm

Den Bericht der Lüdenscheider Flüchtlingshelfer aus den Lagern in Jordanien lesen Sie am Samstag auf einer Sonderseite in den Lüdenscheider Nachrichten.

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