Mehr Zeit für die Familie

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Die Holzplatte mit Gravur ist ein Geschenk aus Sierra Leone zum 30-jährigen Bestehen der Bühnenmäuse, das in diesen Tagen gefeiert wurde.

LÜDENSCHEID - Die CVJM-Bühnenmäuse sind eine quirlige Theatertruppe, die mit ihren Boulevardtheaterstücken nicht nur gute Laune verbreitet, sondern sich mit den Einnahmen aus ihren Aktivitäten auch für die Weltdienstarbeit des CVJM engagiert. Seit der Gründung des Ensembles vor 30 Jahren ist der Lüdenscheider Reinhard Meyer in vielerlei Hinsicht das Gesicht der Bühnenmäuse. Meyer ist als Sprecher des Leitungsteams einerseits stets in der Öffentlichkeit präsent, hält aber auch als Regisseur die kreativen Fäden in der Hand.

Jetzt möchte Meyer, der nach eigenen Angaben in den letzten Jahren permanent „unter Strom“ stand, kürzer treten und seine Arbeit für das Ensemble beenden. Das Handwerk, ein Stück zu inszenieren und Schauspieler zu führen, brachte sich der heute 54-Jährige mit den Jahren selbst bei und hat – wie auch die übrigen Ensemble-Mitglieder in ihren Aufgabenfeldern – längst eine große Routine und Professionalität entwickelt: „Wenn ich vor den Premierenveranstaltungen im Kulturhaus die Regisseure bei der Arbeit beobachte, komme ich heute oft zu dem Ergebnis, dass die das meist auch nicht anders angehen als ich.“

Bei allen Aufführungen der im CVJM-Heim Mathildenstraße beheimateten Bühne führte er Regie, und die Zuschauerzahlen bei den von ihm bearbeiteten und inszenierten Boulevardstücken konnten sich immer sehen lassen. Die Bühnenmäuse haben sich in drei Jahrzehnten durch „learning by doing“ und unzählige Inszenierungen zu einer gut eingespielten Arbeitsgemeinschaft entwickelt, die den Vergleich zu reinen Profi-Ensembles nicht zu scheuen braucht.

Neben Reinhard Meyer ist auch seine Frau Annette stark in die Theaterarbeit involviert, und zeichnet unter anderem für die Bewältigung der leidigen Bürokratie, die im Rahmen eines solch ehrgeizigen Projektes trotz seines karitativen Charakters zuhauf anfällt, verantwortlich. Auf die Frage, was ihn dazu veranlasste, nach drei Jahrzehnten engagierter Theaterarbeit einen so abrupten Schlussstrich zu ziehen, holt der Theatermann etwas weiter aus: „Ich habe bereits vor zwei Jahren Überlegungen angestellt, mich von meinen Aufgaben bei den Bühnenmäusen zurückzuziehen.“ Der wichtigste Grund für die Entscheidung sei seine Haupttätigkeit als Techniker im Kulturhaus gewesen, die es ihm bereits in den letzten Jahren oft unmöglich gemacht habe, bei den Proben dabei zu sein.

Als weiteren, jedoch weniger schwerwiegenden Grund führt Meyer den Umstand an, dass er und seine Mitstreiter von Seiten des CVJM Westbundes nicht die Anerkennung und den Rückhalt bekommen hätten, der wünschenswert gewesen wäre. „Die haben selten Notiz von unserer Arbeit genommen“, zeigt sich der engagierte Theatermann enttäuscht. Der Umstand, dass mit dem vom Ensemble erwirtschafteten Geld viel für die Weltdienstarbeit des CVJM in Sierra Leone erreicht werden konnte, mache den schwachen Rückhalt von dieser Seite noch weniger verständlich. Meyers Aufgaben werden zukünftig unter zwei Personen aufgeteilt. „Auf dem Regiestuhl nimmt von jetzt an Petra Schaller Platz, die aus einem Theaterworkshop heraus zu uns gekommen ist und zwei Jahre lang als Regieassistentin mit mir gearbeitet hat.“ Als Sprecher des Leitungsteams fungiert zukünftig Frank Gerhardt, der bereits viele Jahre bei den Bühnenmäusen aktiv ist. Obwohl Reinhard Meyer seinen Nachfolgern bei Bedarf auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite steht, möchte er jetzt konsequent – bezogen auf die aktive Arbeit - Distanz zu den Bühnenmäusen aufbauen: „Damit möchte ich den anderen eine Chance geben, in ihre neue Arbeit hereinzuwachsen und eigene Ideen zu verwirklichen, ohne dass ihnen jemand ‚reinquatscht’.“ Mit seiner neuen Freizeit komme er gut klar, meint der 54-Jährige: „Ich habe zum Beispiel immer schon Musik gemacht und möchte in dieser Richtung wieder mehr zu unternehmen.“ Auch die Familie rückt wieder mehr im Fokus seines Lebens. Sohn Björn zum Beispiel, der in eine vielversprechende Schauspielkarriere am Hamburger Thalia-Theater startet. -  Björn Othlinghaus

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