Reinhard Merkschien: Mit Respekt und Fairplay

Reinhard Merkschien

ORTSMARKE ▪ In seinem Büro steht ein von Brüninghauser Grundschulkindern gemaltes Bild mit dem Obama-Wahlslogan „Yes We Can“. Andenken an eine unruhige Zeit: Die Grundschule wurde geschlossen.

Reinhard Merkschien als Schulverwaltungsamtsleiter hatte damals keinen leichten Stand, als Eltern, Kinder und Lehrer für den Erhalt kämpften. „Aber der Einsatz aller Betroffenen war ja verständlich“, sagt der 63-jährige Beamte, der am Mittwoch nach fast 47 Dienstjahren die Altersteilzeit antritt und sein Büro im ehemaligen Telekomgebäude räumt. Der Lüdenscheider ist nicht der Typ, der jetzt schwermütig ein Fazit zieht oder ängstlich in die Zukunft schaut. „Aber ich werde schon die Kontakte vermissen, die sich über all die Jahre aufgebaut haben. Sei es hier, besonders zu dem kleinen Team im Schulamt oder zu einigen Schulleitern, mit denen ich auch über das Fachliche hinaus interessante Gespräche geführt habe.“

Reinhard Merkschien trat nach dem Realschul-Abschluss 1966 mit 16 Jahren seine Ausbildung bei der Stadt an. Bis 1979 war er in der Kämmerei beschäftigt, von 1979 bis 1989 leitete er die Pressestelle – „eine tolle Zeit“. Viel tat sich damals in Lüdenscheid, Stichworte: Kulturhaus, Galerie, Stadtbücherei, Bäder. 1989 bot sich ein Sprung nach oben auf der Karriereleiter an und er bewarb sich mit Erfolg um die Stelle des Schulverwaltungsamtsleiters.

Im Gegensatz zu heute stiegen bedingt durch den Mauerfall damals die Einwohnerzahlen. Lüdenscheid wuchs. Schulen wurden um-, und angebaut, am Vogelberg wurde sogar eine neue eröffnet. Inzwischen mussten Standorte mangels Schülerzahlen geschlossen werden, auch Inhalte haben sich – bedingt durch die Einführung des Ganztagsbetriebs oder dem Abitur nach zwölf Jahren – verändert: „Die Lehrerarbeit ist schwieriger geworden. Schulleiter sind teilweise fast schon Manager eines mittelständischen Betriebs, wenn ich zum Beispiel an die Gesamtschule mit mehr als 1200 Schülern denke. Ich habe größten Respekt vor deren Arbeit.“ Auch Eltern seien fordernder geworden.

Die Herausforderungen für die Zukunft seien sicherlich die Umsetzung der Inklusion – „eine Generationenaufgabe“ – schätzt Reinhard Merkschien und die Erhaltung der Schullandschaft bei sinkenden Schülerzahlen. Dem hätten sich auch die Sportvereine zu stellen, für die er auch zuständig war. „Vielleicht entwickelt sich der Vereinssport zunehmend Richtung Schulsport angesichts der vielen Zeit, die Schüler heute in Schulen verbringen.“

Gespräche auf Augenhöhe, sachkundige und zuverlässige Unterstützung – ob für Vereine oder Schulen – und ein fairer Umgang miteinander sind Reinhard Merkschiens Eckpunkte im Berufsleben gewesen. Jetzt bleibt mehr Zeit für die Lektüre von Reiseliteratur, das Erlernen der ein oder anderen südeuropäischen Sprache und die Vertiefung digitaler Fotografie – “Yes He Can“.

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