Banknoten fürs Virtuelle Museum

Reichsmark beendet die Inflation in der Weimarer Republik 

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Banknoten der Reichsmark, die von 1924 bis 1948 Zahlungsmittel in Deutschland war.

Lüdenscheid - „Früher war alles billiger“ – ein gern zitierter Satz, insbesondere der älteren Generation, beim Blick auf die Rechnungen der täglichen Einkäufe. Vor rund 95 Jahren war das genau umgekehrt: Mit Einführung der Reichsmark 1924 in der Weimarer Republik sanken die Preise schlagartig. Und für den Kauf eines Hühnereis mussten die Geldscheine nicht mehr schubkarrenweise angekarrt werden. Eine gesamte Kollektion von Geldscheinen in Reichsmark gelangt nun ins Virtuelle Museum.

Es handelt sich um Banknoten mit einem damaligen Wert zwischen fünf und 50 Reichsmark. Sie gelangten aus dem Nachlass von Bettina Stawack in den Besitz der Lüdenscheider Museen. Die Reichsmark war von 1924 bis 1948 neben der Rentenmark das Zahlungsmittel in Deutschland. Ihre Einführung sorgte dafür, dass die sich ins uferlose entwickelnde Inflation nach dem Ersten Weltkrieg gestoppt wurde.

1923 war es in der Tat so, dass Arbeiter ihren Lohn regelrecht mit Schubkarren abholen konnten, was keinesfalls ihrem hohen Verdienst geschuldet war. Im Gegenteil: Jeder, der Geld in die Hand bekam, versuchte es sofort wieder loszuwerden, weil man nicht wusste, ob man am nächsten Tag oder sogar schon ein paar Stunden später noch ein Stück Brot dafür bekam. Der Preisverfall war unvorstellbar: Gemäß der alten Währung, die 1871 im Kaiserreich eingeführt worden war, kostete ein Ei am 9. Juni 1923 zum Beispiel 800 Mark, am 2. Dezember waren es 320 Milliarden Mark. Die Preise für einen Liter Milch oder ein Kilogramm Kartoffeln erhöhten sich im selben Zeitraum von 1440 Mark auf 360 Milliarden Mark beziehungsweise von 5000 auf 90 Milliarden Mark.

Eine Folge des Ersten Weltkriegs

Wobei auch die im Kaiserreich seit 1871 geltende Währung gelegentlich schon als Reichsmark bezeichnet wird, weil es sich um die erste einheitliche Währung im gesamten Deutschen Reich handelte. Die Bezeichnung „Mark“, die mit der Reichsmark und der später in der Bundesrepublik eingeführten D-Mark und der Ost-Mark in der DDR weitergeführt wurde, leitet sich von der germanischen Gewichtseinheit Mark ab. 

Die Inflation in Deutschland war eine Folge des Ersten Weltkrieges. Dieser hatte das Deutsche Reich unheimlich viel Geld gekostet, finanziert unter anderem durch Kriegsanleihen bei der Bevölkerung. Unmengen von Kapital wurden durch die Materialschlachten vernichtet – Geld, das das Reich nicht besaß und sich im Falle eines Sieges von den Kriegsgegnern holen wollte.

Die Geldscheine hatten einen Wert von fünf, zwanzig und fünfzig Reichsmark.

Mit der Niederlage musste Deutschland aber nicht nur seine eigenen Kriegskosten decken, sondern auch die Reparationszahlungen an die Gegner erfüllen. Außerdem musste das Land wirtschaftlich wieder aufgebaut werden. Um all diese Zahlungen erfüllen zu können, brachte die Regierung immer mehr Geld in Umlauf, was letztlich dazu führte, dass es für immer mehr Banknoten immer weniger materiellen Gegenwert gab.

Als die Franzosen 1923 wegen verspäteter Reparationszahlungen das Ruhrgebiet besetzten, verschärfte sich die Lage noch mehr, die Geldentwertung nahm dramatische Züge an. Letztlich war es sinnvoller, Banknoten als Heizmaterial zu verwenden als zu versuchen, damit etwas zu essen zu kaufen. Letztlich war es die Bevölkerung, die die Zeche zu zahlen hatte. 

Im November 1923 gelang es, die Währung mit der Einführung der Rentenmark zu stabilisieren. Dabei handelte es sich nicht um ein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern um eine Übergangswährung, die durch Grundschulden und Hypotheken abgedeckt war und bis 1948 Gültigkeit hatte. Dadurch verloren Ersparnisse ihren Wert, aber auch exorbitante Schulden schrumpften auf ein lächerliches Maß – so reduzierten sich beim Deutschen Staat die Kriegsschulden von 154 Milliarden Mark mit Einführung der Rentenmark auf 15,4 Pfennige.

Dawes-Plan regelt Reparationen neu

Im August 1924 wurde schließlich die Reichsmark eingeführt und die alte Währung abgeschafft. Dabei wurde eine Billion Mark der alten Währung in eine Reichsmark umgerechnet. Außerdem änderten die Alliierten ihre Politik gegenüber dem Deutschen Reich. So wurden unter anderem mit dem Dawes-Plan die Reparationszahlungen neu geregelt und an die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Weimarer Republik gekoppelt. Damit konnte sich die Deutsche Wirtschaft einigermaßen erholen – und die sogenannten Goldenen Zwanziger Jahre nahmen ihren Anfang. 

Die Reichsmark blieb bis zur erneuten Währungsreform 1948 in Folge des Zweiten Weltkriegs das Zahlungsmittel in Deutschland.

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