Reha-Klinik: Kritik an hohen Patientenzahlen

LÜDENSCHEID ▪ Die Märkischen Reha-Kliniken haben sich einen guten Ruf erarbeitet. Der Zulauf ist groß. Zu groß, wie man anscheinend bei der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV Bund) befindet. Von dort wurde jetzt Kritik an den hohen Patientenzahlen geübt, wie die Klinik-Geschäftsführung auf Anfrage bestätigte. Und nicht nur das.

„Von Seiten der Versicherung wurden uns einige Änderungen abgefordert“, so Geschäftsführer Frank Düssel im Gespräch mit den LN. Es gebe dort andere Standardvorstellungen, denen sich die Klinik anpassen solle. Der Hintergrund kann nur vermutet werden. Die Rentenversicherung hat finanzielle Probleme. Angesichts eines drohenden Defizits muss gespart werden – auch bei der Rehabilitation.

„Wir werden wohl eine Platzzahlbegrenzung bekommen. Wir gehen von weniger Patienten aus“, nennt Düssel eine befürchtete Konsequenz aus den Gesprächen mit der DRV Bund. Bislang besuchen täglich (Zahlen aus 2009) rund 88 Patienten der Rentenversicherungen Bund und Land die Reha-Klinik – rund die Hälfte aller dort betreuten Patienten. Zurzeit werden zwar nur Gespräche mit der DRV Bund geführt, mit einer ähnlichen Haltung der DRV Land müsse man jedoch rechnen.

Die DRV-Bund-Patienten sollen zukünftig länger am Tag in der ambulanten Rehabilitation verbleiben, sechs statt wie bisher höchstens fünf Stunden. Für bestimmte Therapiebereiche müsse zudem mehr Raum vorgehalten werden, so der Geschäftsführer. Ausgeweitet werden sollen unter anderem die Sozial-, Ernährungs- und psychologische Beratung. Wie das neue Reha-Konzept genau aussehen soll, wird zurzeit noch beraten. „Wir haben mit der DRV Bund weitgehend Übereinkunft erzielt. Das Konzept soll möglichst noch in dieser Woche abgestimmt werden und im September unter Dach und Fach sein“, so Düssel. Erst dann können wieder neue Patienten der DRV Bund aufgenommen werden. Zurzeit ist dies nicht möglich. Vorhandene Patienten und die mit Termin werden jedoch nach den alten Bedingungen weiterbehandelt.

Welche weiterreichenden Auswirkungen die Forderungen der DRV Bund auf die Klinik haben werden, ist noch nicht ganz klar. Dass weniger Patienten auch weniger Personal bedeuten, möchte Düssel so nicht stehen lassen: „Wir bewerten das gerade und arbeiten an dem Personalkonzept. Zu Details kann ich noch nichts sagen.“ Er meint jedoch, dass es eher Umschichtungen geben werde. Auch an anderer Stelle denkt man über Einsparmöglichkeiten nach. So ist fraglich, ob sich der Busabholdienst – bei dem großen Einzugsgebiet über den Märkischen Kreis hinaus sinnvoll – bei weniger Patienten noch lohnen wird. Richtig zu verstehen scheint man die Rentenversicherung nicht. „Die ambulante Reha ist ein Drittel günstiger als die stationäre. Das belegen alle Studien“, betont Düssel.

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