„Regeln müssen fair sein“

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Johannes Vogel (FDP) ist seit 2009 im Bundestag – dem Jahr, in dem er sein Politikstudium abschloss. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Er ist Abgeordneter im Deutschen Bundestag, dort als arbeitsmarktpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion mittendrin in den Verhandlungsnächten zur viel diskutierten Hartz-IV-Reform. Er war bis 2010 fünf Jahre lang Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen, ist Mitglied im Bundesvorstand seiner Partei und begehrter Gast in Talkshows zur besten Sendezeit.

Mit seinen 28 Jahren hat Johannes Vogel in der Politik zweifellos längst Karriere gemacht, und doch sieht der Lüdenscheider eine politische Karriere als unplanbar an. „Jedes Amt gibt es nur auf Zeit, und das entspannt mich sehr“, sagt er. „Dass im Leben viel auf einen warten kann, sehe ich als Chance.“

Vorläufig hat der gebürtige Wermelskirchener gerade ein gutes Jahr seiner ersten Wahlperiode in Berlin für den Wahlkreis Märkischer Kreis/Olpe hinter sich. Zeit für ein erstes Resümee: Was hat er sich so vorgestellt, was nicht?

In diesem Moment stürmen die Viertklässler der Erwin-Welke-Schule den Raum, die zum LN-Zeitungstreff gekommen sind, und führen das Interview nahtlos weiter. Ob ein Politiker lange arbeiten muss? „Ja, ziemlich lange“, schmunzelt Johannes Vogel. Auch am Geburtstag? „Ja, auch dann. Das fand meine Freundin aber nicht so lustig.“ Auch an Weihnachten? „Nein. Weihnachten nicht.“

Die Kinder finden es klasse, dass ein Abgeordneter so offen für sie ist. „Aber wir sind ja auch wichtig“, sagt ein Junge noch im Rausgehen.

Recht hat er, meint Vogel. Als MdB will er umsetzen, was ihn schon zu JuLi-Zeiten umtrieb: „Liberale Sozialpolitik.“ Nein, das sei kein Gegensatz in sich, wehrt er den Einwand ab und zitiert liberale Vordenker wie John Stuart Mill, der die solidarische Bürgergesellschaft ohne staatliche Bevormundung entwarf, oder Lord Ralf Dahrendorf, der Bildung als Bürgerrecht begriff und gegen die Benachteiligung von Arbeiterkindern kämpfte.

Ein eindrückliches Erlebnis des Abgeordneten Vogel ging genau in diese Richtung: „Das war ein Gespräch mit einer Schülerin, deren Verdienst im Ferienjob ihren Eltern auf den Hartz-IV-Bezug angerechnet wurde – für mich das Signal einer grundfalschen Ethik, denn dieses Mädchen wurde damit von der Solidargemeinschaft unfair behandelt.“ Im Sommer wurde die Regelung geändert.

Liberale Sozialpolitik, „über die wir zu lange zu wenig geredet haben“, bedeutet für Vogel aktuell, dass es nach neun Monaten für Zeitarbeiter gleichen Lohn für gleiche Arbeit geben soll. Eine Abschaffung der Zeitarbeit sei aber falsch: „Diese Flexibilität ermöglicht Betrieben wie Beschäftigten neue Einstiege.“ Auch hier gelte: „Regeln müssen sein, aber sie müssen fair sein.“ Ungleiche Bezahlung als Dauerzustand akzeptiere er daher nicht.

Was sagen heimische Unternehmer zu dieser Haltung? „Sie teilen sie überwiegend. Auch im Märkischen Kreis gibt es heute schon Betriebe, die nach einer Einstiegsphase gleiche Löhne zahlen, darunter auch Zeitarbeitsfirmen.“

Zu liberaler Sozialpolitik zählt für Vogel der Abbau der Staatsschulden. Hier brachte ihn die SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft kürzlich beim Handelskammer-Empfang in Siegen mit einer „Investieren-statt-Reparieren“-Rede richtig auf die Palme: „Diese Politik eines angeblich vorbeugenden Schuldenmachens ist nachweislich gescheitert. Das kann ich als Vertreter der jungen Generation nur ganz klar ablehnen!“

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