Surfen auf der Grünen Welle: So lange brauchen Autofahrer in die City - ein Test

Symbolbild

Lüdenscheid -„Baustellenscheid“ ist derzeit bei Autofahrern in der Kreisstadt in aller Munde. Die Zahl der Straßenbaustellen, die derzeit gleichzeitig in Arbeit sind und noch dazu kommen werden, sorgen allgemein für Ärger und Unverständnis.

Besonders im Berufsverkehr kommt es zu Verzögerungen. Nach Beobachtungen des Einzelhandels meiden vor allem auswärtige Verkehrsteilnehmer die Fahrt durch die Stadt. Die LN-Redaktion ist auf Testfahrt gegangen: An einem vergleichsweise ruhigen Vormittag auf vier Haupteinfall-straßen aus der Peripherie in die Innenstadt.

Aus dem Norden:

Am Hülscheiderbaum geht es nach einer Rotphase (20 Sekunden) nach links Richtung Lüdenscheid. Die nächste Ampel springt in Sichtweite auf Rot, schon nach 15 Sekunden geht’s weiter mit 70 km/h. Doch der schöne Schwung hinunter in die Brockhauser Ebene endet schon an der nächsten Ampel – für 25 Sekunden. Dann kleben wir hinter einem Lastwagen, und die Hoffnung auf die Grüne Welle schwindet. 

Der Pessimismus erweist sich als unbegründet. Bis zur Kreuzung an der Christuskirche surfen wir auf der Grünen Welle. Sieben Ampeln passieren wir, alle sind uns hold. Dafür warten wir an der Christuskirche eine Minute, bis es weiter geht und schaffen es bei Grün auf die Park- bis zur Ecke Weststraße. Nach dem einminütigen Halt vor der roten Ampel an der Tunnelkreuzung erreichen wird den Stadtkern – in etwas weniger als zehn Minuten.

Aus dem Süden:

Start ist der Piepersloher Kreisel. Die Ampel an der Bierbaumer Kreuzung winkt uns gnädig durch, die Wartezeit vor der Ampel an der Höh beträgt nur 15 Sekunden, am Bräuckenkreuz dauert es bis zum Grün-Signal eine Minute. Von da an geht es ohne Stopp an drei Ampeln vorbei bis zur Tunnel-Kreuzung am Sauerfeld. Fahrtzeit: sieben Minuten.

Aus Oberrahmede:

Die Fahrbahn-Verengung vor dem Aldi-Neubau an der Altenaer Straße ist ein zusätzliches Hindernis, doch die Baustellenampel zeigt Grün. Wir rauschen weiter ohne Halt über die Kreuzung Lennestraße / Rahmedestraße und an den Einmündungen Brüderstraße, Zum Weißen Pferd und Wiesenstraße vorbei, warten in einer Schlange eine Minute bei Rot vor dem Abzweig zur ehemaligen Berg-Chemie und verlieren am Eselsrücken eine weitere Minute vor einer Ampel, bevor wir am Stern-Center vorbei die Humboldtstraße und die Oberstadt erreichen. Von der Oberrahmede bis zum Reidemeister: siebeneinhalb Minuten.

Aus dem Bräucken:

Der nächste Versuch, zügig vom Stadtrand in Lüdenscheids Mitte zu gelangen, führt uns aus dem Bräucken und die Werdohler Landstraße hoch – zunächst bis zur Einmündung der Brunscheider Straße. Hier dauert es länger als eine Minute, bis wir weiter in Richtung Worth-Kreuzung dürfen. Dort allerdings fahren wir ungehindert geradeaus weiter über die Werdohler Straße – und erleben die Kreuzung Kluser Platz zwar ohne Ampeln, aber dafür mit dem gewohnten Chaos und Rückstau. 15 Sekunden Halt vor dem Abzweig Humboldtstraße, 10 Sekunden Rot vor dem Oberstadttunnel – und das war’s: sechs Minuten.

Geduld wird weiter gefordert sein

Die Fahrzeiten auf den Haupteinfallstraßen in Richtung Innenstadt erweisen sich also – zumindest außerhalb des Berufsverkehrs – als erträglich. Nach den Vorstellungen der Verkehrsplaner soll der Verkehrsfluss auch zu den Stoßzeiten durch „geschicktere Koordinierung“ mit Grünen Wellen besser gewährleistet sein. Derzeit sind 50 Anlagen in Arbeit. 

Andreas Berg von der Außenstelle Hagen des Landesbetriebs Straßen.NRW hofft auf die Geduld der Verkehrsteilnehmer. „Nach und nach sollen die Autofahrer von den neuen Ampeln profitieren.“ In einem ersten Paket sollen 29 Ampelanlagen für rund 5,5 Millionen Euro saniert werden. Geduld wird weiter gefordert sein. 

Denn das zweite Paket soll „in den nächsten Jahren“ realisiert werden.

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