Vorschläge der UWG-Kreistagsfraktion

Reaktion auf Arztmangel: "Hausärzte-Zentrum" in Märkischen Kliniken?

+
Neue Wege für ausreichend Hausärzte: Harald Haböck, Christa Kunze und Walter Gertitschke (von links) halten Medizinische Versorgungszentren für eine mögliche Lösung

Lüdenscheid – Wer macht wann Urlaub, wer kann am Montag später in die Praxis kommen und wie bleibt die Patientenversorgung trotzdem zum Wochenstart gewährleistet? Aus Sicht der UWG-Kreistagsfraktion sind Medizinische Versorgungszentren (MVZ) geeignete Einrichtungen, um solche Fragen zu beantworten und um dem Ärztemangel in ländlichen Regionen zu begegnen. Im nächsten Ausschuss für Gesundheit- und Soziales im März machen die Unabhängigen den ersten Aufschlag – und haben bereits konkrete Vorschläge.

 „Die Verwaltung soll in Abstimmung mit den Märkischen Kliniken ein Konzept zum Betreiben eines kommunalen MVZ für Hausärzte erarbeiten“, fordert Fraktionschef Walter Gertitschke. „Mit der stets negativen Prognose für die Hausärzteversorgung in unserer Region halten wir es für erforderlich, neue Wege zu gehen.“ 

UWG: Beispielhaft ist das „Büsumer Modell“

 Im ersten Quartal des neuen Jahres werde sich der Kreis wieder mit der Vergabe von Stipendien für angehende Mediziner befassen. Jährlich vergibt der Kreis vier Stipendien, um ärztlichen Nachwuchs zu gewinnen. Die monatliche Förderung beträgt 500 Euro und wird für maximal vier Jahre gezahlt. Als Gegenleistung verpflichten sich die Stipendiaten, mindestens fünf Jahre ärztlich im Märkischen Kreis tätig zu sein.

 Für Gertitschke hat die Sache mehrere Haken: Eigentlich sei das eine Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe und nicht der Kommunen. Außerdem ziehe es den Nachwuchs vorwiegend in Krankenhäuser. „Deshalb müssen wir uns Alternativen überlegen.“ Das „Versorgungsstärkungsgesetz“ hat dabei die Überlegungen der UWG deutlich in eine Richtung gelenkt. Denn die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Gründung eines MVZ haben sich geändert. 

Auch Kommunen können mit ins Boot

Während früher nur fachübergreifende Tätigkeiten möglich waren, können jetzt auch reine Hausarzt-Zentren oder facharztgleiche Anlaufstellen eingerichtet werden. Darüber hinaus wurde auch den Kommunen die Möglichkeit eingeräumt, MVZs zu gründen und damit aktiv die Versorgung in der Region zu beeinflussen und zu verbessern. 

Beispielhaft ist für Geschäftsführerin Christa Kunze und Fraktionsvize Harald Haböck das Vorgehen in Büsum. Die Stadt habe vorgemacht, wie ein Versorgungszentrum in kommunaler Eigenschaft funktionieren könne. Dort sind Ärzte fest angestellt, in Voll- oder Teilzeit, die Ärztegenossenschaft Nord führt als Dienstleister der Kommune die Geschäfte des Ärztezentrums. Bereits niedergelassene Mediziner haben sich dem MVZ angeschlossen. „Die mit Risiken behaftete Selbstständigkeit, die Arbeit als Einzelkämpfer vor Ort und die Gewissheit, keinen Nachfolger zu finden, hat schließlich zum Büsumer Modell geführt, das den hausärztlichen Notstand in einer kleinen Gemeinde abgewendet hat“, unterstrich Kunze.

 Bislang sei der Anteil der hausärztlichen Zentren mit bundesweit rund zwei Prozent an den Niederlassungen noch deutlich unterrepräsentiert, so Haböck. „Da es viele Vorteile bei steuerrechtlichen und auch haftungsrechtlichen Fragen gibt, erscheint der Betrieb durch einen kommunalen Träger zweckmäßig.“ In diesem Zusammenhang richtet die UWG einen ganzen Fragenkatalog an die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). So möchte die Fraktion Informationen über den konkreten Ärztebedarf, über die Art und Weise von Unterstützungen und über die Hilfen in anderen Landesteilen erfahren.

 Erhebliche Lücken im Kreisgebiet

 Nach den Zahlen der KVWL vom November 2018 gebe es im Märkischen Kreis erhebliche Personallücken. Alleine im Raum Altena seien 4,5 Stellen unbesetzt, im Bereich Lüdenscheid sogar zehn, im Raum Meinerzhagen/Kierspe sind es 6,5. Andere Städte wie Hamm, Kamen, Lünen, Plettenberg oder Gevelsberg hätten ihr Niederlassungskontingent voll erschöpft. Haböck: „Ganz nebenbei stellt sich die Frage, ob der zugrunde gelegte Bedarf von einem Hausarzt auf 1671 Einwohner überhaupt als ausreichend angesehen werden kann. Außerdem benötigen wir eine Auskunft über die genaue Altersstruktur.“

 Auffällig sei außerdem die Vielzahl an Projektförderungen durch die KVWL für eine bessere Verzahnung der ambulanten und stationären Versorgung, so Gertitschke: „Leider nicht bei uns. Der Märkische Kreis erscheint wie ein weißer Fleck auf der Landkarte.“ Das alles mache auch die Teilnahme eines Vertreters der Kässenärztlichen Vereinigung im Ausschuss wünschenswert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare