Nach großer Razzia gegen Bombenbauer:  Polizei gibt erste Erkenntnisse bekannt

+
Symbolbild

Lüdenscheid - Die Ermittlungen laufen: Nach der Großrazzia bei Betreibern und Kunden der Internetseite „xplosives.net“ in neun Bundesländern – unter anderem in einem Haus an der Herscheider Landstraße in Lüdenscheid – sowie in Kroatien und Litauen haben die Behörden mit der Analyse der sichergestellten Sprengstoffe und Drogen begonnen.

Auf die Frage, ob bei der Durchsuchung mit SEK-Kommando und Kriminaltechnikern in der Kreisstadt illegales Material aufgefunden wurde oder Beschuldigte ins Netz gingen, gab es am Mittwoch keine Antwort aus Göttingen. Von dort aus wurde der Einsatz mit 1000 Beamten koordiniert. 

Das haben wir am Mittwoch zu dem Fall berichtet 

Klar ist bislang, dass 22 Beschuldigte identifiziert sind. Auf der Internetseite, die offenbar für Sprengstoffherstellung, Bombenbau sowie für Drogen- und Waffengeschäfte genutzt wurde, wurden rund 3000 Nutzer registriert, darunter allein im vergangenen Jahr 360 aktive Teilnehmer. Die stehen besonders im Fokus der Ermittler. 

"Wir haben jetzt alle Daten"

Fünf Moderatoren und zwei technische Administratoren betreuten den Internetauftritt. Die Domain war in Kroatien gemeldet, den Server spürten die Fahnder in Litauen auf. Die Serververbindung zu den Betreibern wurde gekappt. Ein Staatsanwalt sagte am Dienstag: „Wir haben jetzt alle Daten.“ 

In Baden-Württemberg habe die Polizei so viel gefunden, dass es zum Bau einer „Superbombe“ gereicht hätte, sagte Kriminaldirektor Mathias Schroweg von der Zentralen Kriminalinspektion in Hildesheim. Die Beschuldigten, die alle weiterhin auf freiem Fuß sind, haben nach Angaben der Beamten „ganz normale Berufe“, alle sind Männer und zum Teil Schüler oder Studenten. 

„Die Plattform diente dem Austausch von Know-how“

„Die Plattform diente dem Austausch von Know-how“, skizzierte der Göttinger Polizeipräsident Uwe Lührig eine der Funktionen der Internetseite zum Thema Sprengstoffe. „xplosives.net“ war demnach seit 2006 öffentlich für jedermann im Internet zugänglich. 

Außerdem gab es Chat- und Shopfunktionen sowie Anleitungen, wie man sich bei Razzien der Strafverfolgungsbehörden verhalten solle beziehungsweise wie Sprengstoffe oder die gefährlichen Grundstoffe gut versteckt werden können. 

Eine politische Ausrichtung der mutmaßlichen Täter konnte die Polizei nicht feststellen. Polizeipräsident Lührig sprach in einer Pressekonferenz davon, dass es sogar wiederkehrende „Spreng-Conventions“ der Bombenbauer gegeben habe. 

Ermittlungen liefen seit September 2018

Dabei traf man sich und dokumentierte die illegalen Aktionen auf Video. Noch ist unklar, wo diese Sprengungen genau stattfanden. Die Ermittlungen liefen schon seit September 2018.

Die Polizei hat eine lange Liste der sichergestellten Beweismittel veröffentlicht. Hier ein Auszug: 

127 Kilogramm Grundstoffe zur Herstellung von Sprengmitteln; Grundstoffe für TATP, das als „bevorzugte Waffe von islamistischen Terroristen“ gilt; 200 „Polenböller“; zwei 2 Kilogramm Blitz-Knall-Salz; Sprengkapseln und Zündschnüre; 30 Kilogramm Grundstoffe zur Herstellung von synthetischen Drogen; Schusswaffen und Munition; rund 100 Grundstoffe, unter anderem Salpeter-, Salz- und Schwefelsäure; Pyrotechnik im zweistelligen Kilobereich; Computer und Speichermedien.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare