Rauchverbot in Kneipen sorgt für „Rein und Raus“

LÜDENSCHEID ▪ Bisher noch wenig Probleme, aber große Befürchtungen wegen des jetzt geltenden Rauchverbots – das ist das erste Resumée in zwei Lüdenscheider Gasthäusern, die auch bei Rauchern beliebt sind. Für Jürgen Wigginghaus von der Gaststätte Dahlmann geht mit dem Rauchverbot viel an Gemütlichkeit verloren: „Wir hatten mit der Einhaltung des Verbotes keine Probleme, keiner hat drinnen geraucht. Allerdings waren das nach dem Trubel am 1. Mai traditionell auch eher ruhige Tage.“ Zudem habe es am sonnigen Wochenende sogar Spaß gemacht, draußen zu stehen. „Wie das bei Kneipenwetter und im Winter wird, das lasse ich mal dahingestellt sein.“

Für Wigginghaus’ Gefühl leidet indes schon jetzt die von vielen Kneipengästen so geschätzte Gemütlichkeit. „Wir haben zum Beispiel einen Stammtisch mit acht Damen, die jetzt kaum noch alle zusammensaßen, weil immer wieder mehrere zum Rauchen draußen standen. Es ist generell ein einziges Rein und Raus geworden, und verstehen kann dieses Gesetz hier kaum jemand.“

Klaus Stange, Wirt im Reidemeister und wie Wigginghaus ein passionierter Raucher, geht selbst mit gutem Beispiel voran – und zum Rauchen vor die Tür. „Dann folgen mir viele wie einem Leithammel, das ist schon lustig“, schmunzelt er. Doch wirklich zum Lachen findet er das Verbot nicht: „Was nämlich nicht stimmt, ist, dass jetzt mehr Nichtraucher kämen.“ Am Freitag habe er extra mal nachgezählt: „Unter 45 Gästen waren exakt drei Nichtraucher.“

Dass der Großteil der Gäste immer wieder das Lokal verlassen muss, während beim Friseur weiterhin geraucht werden darf, findet Stange ebenso verquer wie die Tatsache, dass in umliegenden Bundesländern sehr wohl zum Bier noch die Zigarette angezündet werden darf. Wie Jürgen Wigginghaus beobachtete auch Stange das „Raus und Rein“. So saß etwa die Handballtruppe, die regelmäßig bei ihm einkehrt, kaum einmal vollzählig am Tisch.

Gemeinsam ist beiden Gastronomen, dass sie auch weiter eher Probleme als positive Impulse für Gaststätten erwarten. „Wie ruhig es bleibt, wenn auch zu später Stunde draußen geraucht wird, muss man sehen“, sagt Wigginghaus. Und Stange sieht gerade kleinere Kneipen vor der Existenzfrage.

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