Neues vom Spielhallen-Prozess: Zufall und Irrtum

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Staatsanwalt Christoph Bußmann (r.), hier mit Rechtsanwalt Dominik Petereit, bestätigte die Fahndungspanne.

Lüdenscheid - Fahndungspanne und Zufall: Der in der Osterwoche beendete Schutzgeld-Prozess gegen den Automatenaufsteller Murat S. (38) aus Lüdenscheid „schwappt“ in das jetzt laufende Verfahren gegen die sechs jungen Männer, die sich vor der 1. großen Jugendkammer des Landgerichts Hagen wegen bewaffneter Raubüberfälle auf Spielhallen verantworten müssen. Das ergab die Zeugenvernehmung von zwei Kriminalpolizisten, die gegen das Sextett ermittelt haben.

Der 50-jährige Polizist und sein Kollege (39) erinnern sich an die Fahndungsarbeit nach dem Überfall auf die Spielhalle an der Karlstraße am 30. September. Ihnen sind im Blick auf die Begehungsweise große Ähnlichkeiten zu den Raubzügen zuvor in Halver und Drolshagen aufgefallen. Nach dem vierten und letzten Überfall der Bande, diesmal in Altena, am 3. Oktober, schaltet sich „Kommissar Zufall“ in das Geschehen ein.

Zwei der mutmaßlichen Haupttäter geraten nämlich in Meinerzhagen wegen des Verdachts auf Drogenbesitz in eine Verkehrskontrolle. Einer von ihnen packt unter dem Druck der Ermittlungen schnell aus, gesteht seine Beteiligung an den Überfällen – und nennt auch eine Hausnummer an der Corneliusstraße, wo er vorübergehend bei einem Bekannten untergekommen ist.

Am 6. Oktober haben die Beamten den Durchsuchungsbefehl in der Tasche und klingeln an der Haustür der Zieladresse. Es öffnet die Ehefrau des Murat S., erstaunt und empört darüber, dass sie fünf Monate nach dem Beginn des Strafprozesses gegen ihren Mann schon wieder Besuch von der Polizei hat. Die Polizisten stellen ihre Wohnung auf den Kopf und beschlagnahmen unter anderem fast 1700 Euro in bar.

Erst am späten Nachmittag und nach ihrer Ankündigung einer Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Beamten erhält die Frau des Automatenaufstellers das Geld und zahlreiche sichergestellte Gegenstände zurück. Der Kripo-Mann sagt im Zeugenstand: „Der Verdächtige hatte uns eine falsche Hausnummer genannt. So ist der Irrtum zustande gekommen.“ Staatsanwalt Christoph Bußmann bestätigt den Vorfall lächelnd.

Für einen weiteren der sechs Angeklagten im Spielhallen-Prozess stehen die Zeichen – zumindest vorübergehend – seit dem zweiten Verhandlungstag auf Entspannung. Sein Strafverteidiger Gerd-Oliver Salzmann aus Hagen beantragt die Außervollzugsetzung des Haftbefehls gegen 19-Jährigen – und hat Erfolg. Das Gericht lässt den Angeklagten zeitweise laufen, erlegt ihm eine Meldepflicht auf und verbietet ihm jeglichen Kontakt zu seinen Mitangeklagten.

Der Prozess wird am 30. Mai um 9.30 Uhr im Saal 201 fortgesetzt.

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